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25. April 2026

Hausaufgaben ohne Ablenkung? Was Kinder mit AD(H)S wirklich brauchen!

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Der tägliche Kampf:
  • Hast du dich schon mal gefragt, was Kindern mit AD(H)S im Alltag wirklich hilft?
  • Was du tun kannst, wenn das Kind abgelenkt ist?
  • Wie du die Hausaufgabensituation entspannter gestalten kannst?
  • Was Kinder mit AD(H)S hilft, ins TUN zu kommen?

Im Zuge meiner Arbeit als Ergotherapeutin erlebe ich immer wieder die Frustration und teils auch Zermürbtheit von Eltern im Alltag mit ihren Kindern, die AD(H)S haben. Sei es zuhause bei der Hausaufgabensituation oder im Tagesablauf, wenn es um die Morgen- und Abendroutine geht.

Da ist ein Auftrag ans Kind und man denkt sich selbst: ich habe doch nur gesagt, es soll sich anziehen und Zähneputzen gehen. Die Minuten vergehen, das Kind kommt nicht zurück. Es ist im Spiel versunken, weil es einen neuen, attraktiveren Reiz entdeckt hat – und den alten Handlungsimpuls einfach nicht aufrechterhalten konnte. Anziehen und Zähneputzen? Das ist längst vergessen.

Aus einer Hausübung, die bei Erst- und Zweitklässlern im Schnitt maximal 30 Minuten dauern sollte, werden locker zwei bis drei Stunden. Das Kind entdeckt einen Radiergummi am Boden – oder es reicht ein Blick aus dem Fenster, wo eine Katze vorbeistreunt – und zack, ist die Hausübung weg. Externe Reize unterbrechen die Handlungssteuerung, manchmal brechen sie sie völlig ab.

Welche Tipps und Tricks es gibt, erfährst du am Ende meines Blogartikels! Auch welche Empfehlungen ich in meinen Shop für dich habe!

Das Missverständnis: Konzentration und Aufmerksamkeit sind nicht dasselbe

Diese zwei Begriffe werden meiner Ansicht nach sehr oft verwechselt. Aufmerksamkeit ist nicht einfach “aufpassen”. Sie ist die Grundvoraussetzung dafür, dass unser Gehirn überhaupt arbeiten kann – alles andere baut darauf auf.

Man unterscheidet:

  • Antriebsbereitschaft (Alertness)/ und Vigilanz- das ist die allgemeine Wachheit und Reaktionsbereitschaft: Mama sagt: "Hol dein Heft" und das Kind sitzt nach fünf Minuten immer noch “reglos” da. Der Motor springt einfach nicht an, obwohl das Kind gehört hat, was gesagt wurde. Bevor ein Kind überhaupt mit einer Aufgabe beginnen kann, muss sein Gehirn erst "hochfahren" – das ist die Alertness. Bei Kindern mit AD(H)S dauert das oft länger, oder der Akku ist schneller wieder leer.
  • Daueraufmerksamkeit – über längere Zeit auf einem Level bleiben: Die ersten zwei Aufgaben klappen super, bei der dritten ist das Kind gedanklich längst woanders. Der Tank ist schnell leer. Nicht weil das Kind faul ist, sondern weil das Durchhalten auf einem Level echte Energie kostet.
  • Konzentration/selektive Aufmerksamkeit – Fokus halten trotz Ablenkung: "Draußen fährt ein Auto vorbei  und der Gedanke an die Matheaufgabe ist weg". Das Gehirn filtert relevante und irrelevante Reize nicht zuverlässig. Alles kommt gleichzeitig rein.
  • Geteilte Aufmerksamkeit – zwei Dinge gleichzeitig durchführen wie die Fenster putzen und die Nachrichten im Radio hören. In der Klasse gleichzeitig zuhören und mitschreiben ist für viele Kinder mit AD(H)S schlicht unmöglich. Was für andere automatisch läuft, kostet hier enorme bewusste Anstrengung.

Die Konzentrationsfähigkeit ist also ein Teilbereich der Aufmerksamkeit!

Was im Gehirn von Kindern mit AD(H)S passiert

1. Das Dopamin-Problem

Dopamin ist vereinfacht gesagt der Botenstoff für Motivation, Antrieb und Belohnung. Bei Kindern mit AD(H)S wird Dopamin entweder zu wenig produziert oder zu schnell wieder in die Nervenzelle zurückgezogen.

Das Ergebnis: Das Gehirn bekommt zu wenig Dopaminsignal. Und ohne ausreichend Dopamin startet die Motivation einfach nicht – egal wie oft Bezugspersonen mahnen.

2. Noradrenalin und die Alertness

Noradrenalin, der zweitwichtigste Botenstoff  ist zuständig für genau das, was wir vorhin besprochen haben – die Alertness, die Aktivierungsbereitschaft. Auch dieser Botenstoff ist bei AD(H)S oft zu wenig verfügbar.

Das erklärt warum manche Kinder mit AD(H)S Stimulation suchen – laute Musik, Bewegung, Aufregung. Das Gehirn versucht sich selbst zu regulieren und das fehlende Noradrenalin irgendwie zu kompensieren.

3. Der präfrontale Kortex (Frontalhirn) – die Schaltzentrale

Der präfrontale Kortex ist der Teil des Gehirns direkt hinter der Stirn. Er ist zuständig für alle Exekutive Funktionen. Das betrifft das Planen und Organisieren, Impulse bremsen, Arbeitsgedächtnis, damit meint man kurzfristig Informationen festhalten sowie das Zeitgefühl einschätzen.

Bei Kindern mit AD(H)S ist dieser Bereich nachweislich unteraktiv. Das heißt, alle Kinder mit AD(H)S weisen eine Störung der Exekutiven Funktionen auf. Das erklärt sehr viel: Das Kind vergisst mitten in der Aufgabe was es eigentlich tun wollte, hat kein Zeitgefühl und kann Impulse nicht bremsen.

Hier findest du zahlreiche Blogartikel zum Thema Exekutive Funktionen:

Exekutive Funktionen: Der Schlüssel zum Schulerfolg?

Wenn Kinder Schwierigkeiten bei der Hausübung oder bei Aufgaben in der Schule haben

Was haben die exekutiven Funktionen mit Aufmerksamkeit und Sozialverhalten zu tun?

Was sind Exekutive Funktionen und warum sind sie so wichtig?

4. Inhibition bei AD(H)S:

Russell Barkley, einer der renommiertesten ADHS-Forscher weltweit, meint in seiner These, das AD(H)S im eigentlichen Sinne eine Störung der Verhaltenshemmung ist.

Das Kind sieht im Fenster eine Katze – und ehe der präfrontale Kortex (Frontalhirn) sagen kann "warte, du machst gerade Hausaufgaben", ist das Kind bereits bei der Katze. Der Bremsweg ist schlicht zu lang. Daher haben Kinder mit AD(H)S solche Schwierigkeiten mit der Planung, dem Aufschub von Impulsen und dem Ausblenden von externen Reizen.

5. Das Belohnungssystem

Der präfrontale Kortex hat noch eine weitere wichtige Aufgabe: Er verbindet eine Handlung mit einer zukünftigen Belohnung. "Wenn ich jetzt die Hausaufgaben mache, darf ich danach spielen."

Bei AD(H)S funktioniert diese Verbindung schwächer. Die Belohnung die morgen oder in einer Stunde kommt, ist neurobiologisch gesehen kaum spürbar. Das Gehirn lebt sehr stark im Jetzt.

Deshalb wirken Erst-Dann-Karten oder Punktepläne so gut – sie machen die Belohnung sichtbar und greifbar, also quasi näher.

Warum Struktur so hilfreich ist:

In der Ergotherapie gehen wir davon aus, dass eine Strukturierung im Alltag die Basis für die Handlungsfähigkeit von Kindern mit AD(H)S ist. Wenn die innere Strukturierung fehlt - also der Bereich der Exekutiven Funktionen (Planung, Arbeitsgedächtnis, Hemmen von Impulsen uvm), dann benötigt es eine äußere Struktur. Und diese Struktur hilft, externe Ablenker bzw. innere Ablenker zu reduzieren, Impulse zu hemmen, ein zeitliches Gefühl zu bekommen und planerisch vorzugehen.

Wie kann Struktur aussehen? Beispielsweise durch Schritt für Schritt Bildkarten, sogenannten Strukturierungskarten. Oder in dem Tagesabläufe sichtbar gemacht werden und das Kind erledigte Aufgaben abharken kann. Bei Kindern mit AD(H)S ist der Raum zwischen Reiz und Reaktion quasi nicht vorhanden. Und genau um das geht es, diesen Raum größer werden zu lassen, in dem es z.B. mit Strukturierungskarten eine visuelle Hilfe bekommt oder mit Erst-Dann Karten sichtbar gemacht wird -”Erst beruhigen/durchatmen, dann handeln”, erst dieser Schritt, dann der nächste Schritt.

Zahlreiche Ideen findest du nicht nur in meinem Shop, sondern auch in meinem AD(H)S Begleiter. Am Ende des Artikels liste ich alle empfehlenswerte Produkte für Kinder mit AD(H)S auf: 

In meinem Online Shop als Download erhältlich:

Der AD(H)S Begleiter: Selbststeuerung & Strukturkarten für den Alltag

11 Konkrete Tipps und Hilfestellungen:
  1. Immer nur eine Anweisung auf einmal - Nicht "pack die Jause ein, zieh dich an und vergiss deine Haube nicht" – sondern: "Hol dein Heft." Fertig. Dann der nächste Schritt.
  2. Konzentrationsspanne realistisch einschätzen Faustregel: ca. Alter × 2 = Minuten. Ein 8-jähriges Kind schafft also etwa 16 Minuten bei der gleichen Aufgabe. Das gilt für durchschnittlich gesund entwickelte Kinder. Wobei diese natürliche Spanne leider aufgrund sozialer Medien mehr und mehr sinkt und sich Gehirnstrukturen nachweislich verändern. Die Konzentration nimmt durch schnelle Inputs wie Videos bei Tiktok etc. drastisch ab. Bei Kindern mit AD(H)S liegt die Spanne ohnehin deutlich darunter. Dann wechsle ich einfach die Aufgabe oder das Kind macht eine kurze Pause. Zum Beispiel: Statt weiter Malrechnungen zu üben, wechseln wir zur Deutschaufgabe. Grundsätzlich ist das Ziel in der Therapie, diese Spanne langfristig zu erhöhen. Das Kind schafft heute 9 Minuten – beim nächsten Mal vielleicht schon 11. Kleine Schritte, die sich summieren. 
  3. Den Prozess loben, nicht das Ergebnis Nicht "Super, du hast die Hausaufgaben fertig!" sondern "Du hast selbst gemerkt, dass du abgelenkt warst – und bist zurückgekommen. Das ist echte Stärke."
  4. Ein gemeinsames (körperliches) Signal vereinbaren. Kein Mahnen, kein Rufen – sondern zum Beispiel eine kurze Berührung an der Schulter als stilles Zeichen für "du driftest gerade ab."
  5. Verwende einen Timer bei Tätigkeiten um die Zeit sichtbar zu machen.Kinder mit AD(H)S haben oft kein gutes Zeitgefühl – Zeit ist für sie abstrakt und kaum spürbar. Ein Timer macht Zeit sichtbar und greifbar. Zum Beispiel der Timetex-Timer: Das Kind sieht buchstäblich wie die Zeit verrinnt, als roter Bereich der immer kleiner wird. Das ist viel konkreter als zu sagen "noch 10 Minuten".
  6. Wähle einen ruhigen und wenn möglich fixen Platz wo das Kind Hausübung machen kann: Für Kinder mit AD(H)S gibt es nichts Schlimmeres als auf einem chaotischen Schreibtisch oder in der Küche, neben kleinen Geschwisterkindern mit Blick aus dem Fenster Hausübung zu machen. Das Kind hat keinen eigenen Schreibtisch? Dann finde eine Lösung. Es gibt Lernbüros, Noise Cancelling Kopfhörer und auch kleine Kinder können lernen, dass sie Kinder die ihre Hausübung machen nicht stören dürfen. 
  7. Aufgeräumter Tisch: Finde eine Struktur, wo alle Arbeitsmaterialien in Schütten, Behälter etc. geordnet ist. Nach jeder Aufgabe wird aufgeräumt, damit das Kinder bei der nächsten Hausübung nicht unnötig Energie verbrauchen muss mit Suchen und Finden. Der Start der Hausübung wird dadurch in die länge gezogen, wie wir wissen, die Antriebsbereitschaft ist ohnehin oft reduziert, das heißt, das Kind muss noch mehr Kräfte mobilisieren um zu starten.
  8. Selbst-Instruktionen: Lass Aufträge die du stellst wiederholen - fordere das ein, auch wenn es anfangs aufwändig ist und lerne dem Kind, dass es sich selbst sagt, was es zu tun hat, wenn du den Auftrag “Zähneputzen” gibst. Während das Kind sich auf den Weg ins Bad macht, wiederholt es:  “Ich putze jetzt meine Zähne”. “Ich putze jetzt meine Zähne”. Denn am Weg zum Bad gibt es viele Reize die zu widerstehen sind. In dem sich das Kind selbst instruiert, kann es besser den Fokus halten, sich selbst "zurückholen" und dem geforderten Auftrag nachkommen.
  9. Erst-Dann Prinzip sichtbar machen "Erst die Hausaufgaben, dann spielen" klingt einfach – ist es für viele Kinder mit AD(H)S aber nicht. Wenn man es sichtbar macht, wird die Belohnung greifbarer. Dies kann z.B. visuell sichtbar gemacht werden. Viele Inspirationen findest du dazu in meinem AD(H)S Begleiter.
  10. Verwende Hilfsmittel wie Strukturierungskarten, Pläne, Checklisten wo das Kind abharken kann. Erarbeite mit dem Kind, dass es Schritt für Schritt einen Plan macht - zuerst schriftlich, später womöglich im Kopf ausreichend, wo es benennt, was es zu tun hat. Mehr dazu findest du in meinen Produkten.
  11. Interne und Externe Reize reduzieren: Externe Reize reduzieren durch Ordnung und Struktur, Minimierung von Geräuschquelle etc. und Interne Reize werden bewusst gemacht: Welche Glaubenssätze oder abwertende Gedanken hat das Kind über sich selbst? Ist das Selbstbild einmal angekratzt, folgen viele negative Gedanken wie “Ich bin zu blöd, ich schaffe das nie”. Dies hält das Kind oft gefangen und der Start und das Initiieren von Handlungen fällt schwer. Beispiel: Einen hohen Berg erklimmen erscheint viel zu unüberwindbar, als ihn in Etappen oder zunächst einen kleinen Berg zu bewältigen. So kannst du dir das bei Kindern mit AD(H)S vorstellen. Sie benötigen sichtbare kleine Schritte die ins Ziel führen.
Was musst du tun, damit sich die Symptome bei AD(H)S verstärken?

Etwas provokant die Überschrift, aber leider sind die Auswirkungen mit den digitalen Medien bei vielen Menschen immer noch nicht angekommen. Wenn du willst, dass sich die Konzentrationsspanne verschlechtert oder einfach nicht verbessert, obwohl das Kind zur Therapie geht, du vielleicht schon viel Geld dafür ausgegeben hast, dann lass das Kind weiterhin viel am Handy sein, 30 Sekunden Videos auf TikTok, SnapChat, Youtube und Instagram konsumieren. Am besten stundenlang. Leider beobachte ich dieses Szenario sehr oft. Wir wissen aus Studien, das Kinder mit AD(H)S zu Süchten neigen und vor allem der Umgang mit digitalen Medien besonders schwer zu handhaben ist. Viele belohnen ihr Kind mit mehr Medienzeit, was ein großer Fehler ist, der übrigens für alle Kinder gilt. Digitale Medien sollten nie als Belohnung eingesetzt werden. Und dann kann noch so viel Geld für Therapie ausgegeben werden, Verbesserungen werden höchstwahrscheinlich ausbleiben.

Was machst du, wenn es Tage gibt, wo nichts klappt?

Dann klopfe dir selbst trotzdem auf die Schulter, finde Situationen wo es gut gelaufen ist, auch wenn es kleine Dinge sind. Schon alleine wenn du meinen Blogartikel liest, zeigt das, dass du dich engagierst und dein Bestes gibst! Tausche dich mit anderen aus, welche in einer ähnlichen Situation sind und vielleicht findest du Auftankpausen für dich selbst, wo du durchatmen kannst und neue Energie schöpfst.

Produktempfehlungen für Kinder mit AD(H)S:

Der AD(H)S Begleiter: Selbststeuerung & Strukturkarten für den Alltag

Das Token System - Ein Leitfaden für Eltern und Pädagogen

Aufgabenhelfer 2 für Schulkinder

Selbstregulation Kinder - Drehzahlmesser zur Selbststeuerung

Mit dem Wenn-Dann Plan zum erfolgreichen Handeln

Aufgabenhelfer Aufgabenhelfer Aufgabenhelfer Aufgabenhelfer Aufgabenhelfer Aufgabenhelfer 1

Tagesplan für Kinder

Routineplaner für Kinder - Morgen-und Abendroutine

 

Hier findest du weitere interessante Blogartikel die zum Thema passen:

Kinder belohnen? Ja oder Nein? Das Tokensystem näher beleuchtet

Selbstregulation bei Kinder - der Drehzahlmesser

Selbstregulation bei Kindern – warum du als Elternteil zuerst dran bist

Was tun, wenn Gedanken das Kind von der Hausübung ablenken?

 

 

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