Wenn Kinder Schwierigkeiten bei der Hausübung oder bei Aufgaben in der Schule haben

In der Ergotherapie beschäftigen wir uns oft damit, wenn das Arbeitsverhalten des Kindes bei der Hausübung oder in der Schule chaotisch verläuft. Sprich, wenn das Kind keine gute Verhaltensorganisation hat. Es vergisst zum Beispiel was die Aufgabe ist, weiß nicht wie es beginnen soll, was zuerst drankommt, es startet unüberlegt sofort los, es überlegt nicht sondern fragt unmittelbar nach Hilfe wenn es nicht weiter weiß, es ist ständig abgelenkt und weiß nicht mehr wo es gerade bei der Aufgabe war.

All diese Dinge können das Kind ganz schön frustrieren. Auch das Umfeld wie die Eltern oder die Lehrer wissen oft nicht mehr weiter. Dieser Bereich der Verhaltensorganisation oder auch Handlungsplanung genannt, fällt in den Bereich der Exekutiven Funktionen. Das sind Fähigkeiten, die das Kind benötigt, um beispielsweise Handlungsschritte durchzuführen. Wo es vorher mal planen muss, bevor es loslegt und seine Impulse regulieren muss. Diesen Kindern fehlt zudem diese „innere Organisation“ nenne ich das. In solchen Situationen kann es helfen, wenn das Kind einen Schritt für Schritt Plan hat, der auf alle Handlungen umgesetzt werden kann. Ein Beispiel ist der Aufgabenhelfer. Diesen habe ich schon des öfteren mit dem Kind erstellt. Er kann helfen, dass das Kind lernt, wie es strukturierter vorgehen kann. Durch die Visualisierung und das zuklappen der einzelnen Schritte, hat es Selbstkontrolle und weiß immer wo es gerade steht.

Eine Handlung hat immer einen Beginn, baut sich dann auf und hat ein klar definiertes Ende. Manche Kinder haben schon Schwierigkeiten den Beginn zu finden und zu starten, weil sie womöglich mit der Aufmerksamkeit ganz wo anders sind. Sie den Auftrag überhört haben. Also natürlich muss neben dem Handlungsthema auch ermittelt werden, ob das Kind nicht auch ein Aufmerksamkeitsproblem hat. Manche Kinder haben zu dem Schwierigkeiten, die Handlung fortzuführen und zwischendurch zu kontrollieren – quasi ihren Arbeitsprozess zu überwachen. Sie wollen am liebsten schnell-schnell fertig sein oder starten sofort los und beginnen mittendrin. Sie vergessen irgendwas Wichtiges wie zum Beispiel die Überschrift, das Datum, den Zeilenanfang. Es kann auch sein, dass sie sich verlieren und abgelenkt sind und deswegen ebenfalls die Handlung nicht korrekt durchführen können. Und am Ende steht das Beenden. Manche Kinder kontrollieren am Schluss zum Beispiel nicht mehr, räumen ratzfatz alles in die Schultasche. Vergessen aber möglicherweise gewisse Dinge wegzuräumen und alles einzusortieren.

Hier ist ein Plan zur Handlungsorganisation und wie der geistige Prozess eigentlich aussieht, der hinter einer Handlung steht. Den Plan habe ich so erstellt, wie er für mich und für Kinder möglichst logisch ist. Aber hier gibt es kein richtig und falsch. Ich habe die Schritte so gewählt, wie sie für mich gut passen. Den Kindern kann dies so visuell veranschaulicht werden:

Natürlich kommt zu dem Ganzen neben der Aufmerksamkeit auch noch mögliche Unlust für bestimmte Aufgaben dazu. Wir alle handeln nicht gerne, wenn es uns erstens nicht wichtig erscheint oder uns nicht so interessiert. Aber aus meiner Sicht wird die Unlust noch mehr verstärkt, wenn das Kind im Arbeitsverhalten Schwierigkeiten hat. Es weiß ja ganz genau, dass es sich da schwer tut und wenn ständig genörgelt wird, weil das Heft wieder so ramponiert aussieht, irgendwelche Zetteln halbfertig drin kleben und Ähnliches. Es strengt das Kind ja auch an, wenn es chaotisch ist. Und manchmal fehlt auch genau diese Anstrengungsbereitschaft, weil vielleicht vieles in der Vergangenheit dem Kind abgenommen wurde (muss natürlich nicht sein, kann aber 😉 . Wenn Eltern wollen, dass sie selbstständiger werden, ist es dringend empfohlen, diese Kinder hierbei zu unterstützen, ihnen nicht alles abzunehmen und alles vorzukauen, dass sie z.B. selber ihre Fehler bei der HÜ erkennen. Verantwortlichkeiten im Alltag zu übernehmen für ein Tier, Pflanzen oder im Haushalt sind ebenfalls Dinge, wo das Kind diese Fähigkeiten üben kann.

Diese Arbeitsschrittkarten/Pläne können in Bezug auf das Arbeitsverhalten Abhilfe schaffen, weil es das Kind in der Selbstständigkeit fördert und es selber mitdenken muss. In der Ergotherapie gestalten die Kinder oft ihren indviduellen Hausaufgabenplan, wo sie selber die Schritte zeichnen dürfen, so wie es für sie gut passt. Diesen Plan legen sie sich dann zur Hausübung, oder hängen ihn sichtbar auf, sodass sie immer einen Blick darauf haben.

Auch wenn nicht gesagt werden kann, dass sie Wunder wirken, weil letztendlich braucht es auch den Willen des Kindes dazu. Ich wünsche viel Freude mit dem Ausprobieren! Bei weiteren Fragen, gerne eine Mail an praxis@ergo-life.at

Liebe Grüße

Christina