Selbstregulation bei Kinder – der Drehzahlmesser

Heute möchte ich über Selbstregulation schreiben. Unter Selbstregulation wird verstanden, dass das Kind rechtzeitig erkennt, was gerade seine Bedürfnisse sind und danach handelt. Ist es müde und braucht es Rückzug? Ist es hibbelig und braucht es Bewegung? Ist es müde und möchte aber wacher werden? In der Ergotherapie ist das immer wieder Thema wenn es um Aufmerksamkeitsschwierigkeiten geht. Mit einigen Kindern bastle ich dazu den sogenannten Drehzahlmesser.

Ich habe den Drehzahlmesser bei der Fortbildung „Wunstorfer Konzept“ von Britta Winter – eine Ergotherapeutin kennengelernt bzw. kommt der Drehzahlmesser aus dem THOP Konzept von Döpfner. Empfohlen wird er für Kinder ab Schulalter.

Ich erkläre den Drehzahlmesser immer so, dass wir alle einen inneren Motor haben wie Autos. Es gibt Rennautos, wo der Motor sehr schnell läuft, dann gibt es Traktoren, die einen langsamen Drehzahlmesser/Motor haben und dann gibt es Lastwagen oder normale Autos die weder rasend schnell noch sehr langsam fahren. Und dann frage ich, wie denn der Motor bei ihnen optimal laufen sollte wenn sie schlafen, essen, Hausübung machen, laufen etc. Die Kinder können das sehr gut einschätzen habe ich beobachtet und wissen genau, wann und wo es bei ihnen nicht immer so ist. Sie haben auch wirklich Spaß daran, den Motor einzustellen bevor wir zum Beispiel mit einer konzentrierten Aufgabe am Tisch beginnen oder wenn sie Hausübung machen.

Kinder, die Schwierigkeiten haben mit der Konzentration und ihrer Aufmerksamkeit und/oder sehr unruhig sind, viel zappeln, überhaupt Schwierigkeiten haben „runter zu kommen“, kann der Drehzahlmesser helfen, dass sie selber spüren wie ihr innerer Motor denn so läuft. Und in Folge dessen, auch entsprechend reagieren können und Tricks anwenden, um sich zum Beispiel „munter“ zu machen oder um sich zu „beruhigen“.

Im folgenden erkläre ich den Drehzahlmesser genauer:

  • Der blaue Bereich steht für einen langsamen Motor – wie ein Traktor oder man könnte ein passendes Tier dazu finden – zum Beispiel die Schnecke. Ich frage da immer die Kinder und sie finden immer ein passendes Tier dazu. Im blauen Bereich sollte bestenfalls der Motor laufen, wenn sie schlafen, abends, bei Entspannungsaktivitäten, manche haben einen langsamen Motor wenn sie in der Früh aufstehen etc.
  • Der grüne – mittlere Bereich steht für einen Lastwagen – er fährt weder zu schnell, noch zu langsam. Oder man findet wieder ein Tier dazu. Im grünen Bereich sollte der Motor laufen bei Tätigkeiten wo Konzentration gefragt ist, wie bei Hausübungen, lernen, beim Tisch sitzen und essen, wenn mehrer Abläufe hintereinander stattfinden wo man weder trödeln sollte noch zu schnell und unordentlich handeln sollte – wie die Morgenroutine.
  • Der rote Bereich steht für einen schnellen Motor – also das Rennauto. Zum Beispiel ist ein schneller Motor gefragt wenn das Kind läuft – im Turnunterricht bei Bewegungsspielen, wenn einfach Schnelligkeit und Tempo gefragt sind. Wenn das Kind übererregt ist, zappelt, überdreht ist dann ist der Motor höchst wahrscheinlich im roten Bereich.

Das alles wäre praktisch das Optimum. Allerdings läuft bei Kindern der Motor oft nicht „situationsangepasst“ bzw. ist es ganz natürlich, dass es schwankt zwischen Müdigkeit, Überdrehtheit, Unruhe, Wachsamkeit, Träumerei. Oder es kann passieren, dass man in Eile ist, weil man sonst zu spät zu einem Termin/Schule kommen würde und da muss man dann auch  den Drehzahlmesser raufdrehen, damit man einen schnelleren Motor bekommt.

Wichtig ist nur, es selbst zu erkennen und steuern zu können in dem das Kind weiß, was es tun kann, damit der Motor entweder runtegedreht wird oder hochgedreht wird. Gerade Kinder die Aufmerksamkeitsschwierigkeiten haben oder überhaupt Probleme haben sich selber zu regulieren, kann der Drehzahlmesser wirklich helfen.

In der Ergotherapie bekommt das Kind anschließend auch Tricks mit nachhause was es machen kann, damit es entweder wacher wird oder ruhiger wird. Gerade bei der Hausübung ist der Motor nicht immer im grünen Bereich, sondern entweder sind sie müde oder auch mal überdreht. Und hier einzugreifen und das zu spüren, ist eine wichtige Voraussetzung, damit erstens Veränderung passiert und zweitens, die Aufmerksamkeitsleistung verbessert werden kann.