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15. März 2026

Was ist Ergotherapie bei Kindern?

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Ergotherapie ist ein sehr breitgefächerter Beruf. Wir können mit Altersgruppen von 0–99 Jahren arbeiten, wobei es meist zu Spezialisierungen kommt und viele Ergotherapeut*innen für bestimmte Themen oder Bereiche Weiterbildungen absolvieren – sei es etwa für die Arbeit mit Säuglingen bei Regulationsstörungen oder in der Neuropädiatrie, die besonders spezialisiert ist.

Das übergeordnete Ziel der Ergotherapie – unabhängig von der Altersgruppe – ist die Befähigung: Selbstständig oder zumindest teilweise selbstständig Alltagshandlungen in den Bereichen Zuhause, Beruf, Schule, Kindergarten und Freizeit durchzuführen. Wenn die Schwierigkeiten sehr groß oder chronisch sind, geht es vielfach um die Teilhabe am Alltagsgeschehen und um den Erhalt vorhandener Fähig- und Fertigkeiten.

In diesem Blogartikel möchte ich darüber schreiben, was Ergotherapie bei Kindern ist:

In die Ergotherapie kommen Kinder, die im Vergleich zu Gleichaltrigen vermehrt Unterstützung bei allem benötigen, was sie im Alltag tun – sei es zuhause, im Kindergarten oder in der Schule. Das kann sich zeigen beim Anziehen, in der Körperpflege, beim Umgang mit Besteck, beim Malen, bei der Bewegung, beim Spielen oder beim Konzentrieren. Das sind zumindest die Bereiche, die mir in meiner Arbeit am häufigsten begegnen.

Diese Kinder sind meist öfter und schneller frustriert als Gleichaltrige, weil sie mehr Unterstützung oder mehr Wiederholungen brauchen, um alltägliche Tätigkeiten zu erlernen. Genau das gilt es in der Therapie herauszuarbeiten, damit das Kind zunehmend selbstständig Dinge bewältigen kann. Hier kommt für mich der Leitgedanke aus der Montessori-Pädagogik zum Tragen: „Hilf mir, es selbst zu tun." Ich finde, das trifft unseren Kerngedanken in der Ergotherapie sehr gut.

Häufige Themen in der Ergotherapie:

  • Motorik/Koordination
  • Wahrnehmung und Sensorik
  • Konzentration und Aufmerksamkeit
  • Emotionale und soziale Entwicklung

Motorik und Koordination:

Hierbei handelt es sich um Kinder, die sehr ungeschickt wirken und oft stolpern, oder sich bestimmte Bewegungsabfolgen mühsam erarbeiten müssen. Eine Gruppe umfasst die eher ängstlichen Kinder, die Bewegung eher vermeiden und lieber am Rand sitzen und beobachten. Das andere Extrem sind Kinder, die sehr waghalsig agieren, Gefahren nicht einschätzen können und Bewegungen schnell und impulsiv ausführen – manchmal deshalb, weil ihnen Bewegungsabläufe nur so gelingen. Die Bewegungsqualität kann beeinträchtigt sein -  Tempo, Kraftdosierung und Rhythmus passen oft nicht zusammen.

Auch schlaff und kraftlos wirkende Kinder begegnen uns in diesem Bereich. Dazu zählen außerdem Handgeschicklichkeit, Feinmotorik und Stifthaltung/Stiftführung. Bezüglich der Stifthaltung ist zu erwähnen, dass es nicht um die perfekte Stifthaltung geht. Wenn die Haltung allerdings sehr verkrampft wirkt, das Kind rasch ermüdet, die Hände wechselt, zu viel Druck anwendet, ständig das Papier dreht, wenig Beweglichkeit in den ersten drei Fingern besitzt, oder generell vermeidet, dann ist Handlungsbedarf gegeben.

Betroffene Kinder tun sich oft schwer im Umgang mit Werkzeugen, beim beidhändigen Hantieren mit Verschlüssen, beim Schneiden, Kleben und Ähnlichem. Auch das Malen fällt in diesen Bereich – diese Kinder vermeiden es häufig. Hinter Vermeidung steckt immer eine Ursache, die es herauszufinden gilt. Vielleicht kennst du das auch von dir, wenn wir etwas nicht gut können, dann machen wir es auch nicht gerne. Was das Malen betrifft, habe ich weitere Blogartikel vor einiger Zeit erfasst. Beim Malen geht es um ganz wichtige Vorläuferfähigkeiten für das Schreiben/Rechnen und nicht darum, den nächsten Michelangelo zu fördern  😅.

https://ergo-life.at/warum-auch-buben-malen-sollten-die-voraussetzung-fuers-schreibenlernen/

https://ergo-life.at/warum-ein-altersentsprechende-malenentwicklung-nichts-mit-zeichentalent-zu-tun-hat/

Wahrnehmung und Sensorik:

Manche Kinder reagieren sehr empfindlich auf Berührungen, Geräusche oder bestimmte Stoffe – sie weichen Körperkontakt aus oder haben kaum Körpergefühl. Sie wenden vielleicht zu viel Druck an - wirken dadurch grob, aber diese Kinder machen das nicht absichtlich, sondern weil es ihnen schwer fällt, ihre Kraft dosiert einzusetzen.

Manchen ist es unangenehm, schmutzig zu werden, und sie vermeiden alles Klebrige oder Gatschige. Ihr sensorisches System verarbeitet Reize einfach anders – und das kostet täglich enorm viel Kraft. Zur Wahrnehmung gehört auch die räumlich-visuelle Wahrnehmung. Beobachten kannst du das darin, dass Kinder beispielsweise Schwierigkeiten haben, Gleiches zu erkennen, nach einer Vorlage nachzubauen oder zu konstruieren, Puzzles vermeiden, Kleidung verkehrt herum anziehen oder die Schuhe verwechseln.

Konzentration und Aufmerksamkeit:

Betroffene Kinder können sich kaum auf eine fremdbestimmte Aufgabe fokussieren, wechseln Spielsituationen rasch und sind stark von ihrer Umgebung abgelenkt – wie es etwa bei AD(H)S vorkommen kann. Die Konzentrationsspanne bei fremdbestimmten Aktivitäten ist im Vergleich zu Gleichaltrigen deutlich kürzer.

Wie kannst du die Konzentrationsspanne einschätzen? Indem du das Alter des Kindes verdoppelst – so lange sollte es sich durchgehend auf eine Aufgabe oder ein Spiel konzentrieren können, ohne abzuschweifen. Beispiel: Ein fünfjähriges Kind sollte mindestens 10 Minuten lang fokussiert bei einer Sache bleiben können, auch wenn diese es nicht besonders interessiert.

Emotionale und soziale Entwicklung:

Dieses Thema fließt meist als Begleitthema in die Therapie ein, da Kinder mit Schwierigkeiten häufig unter Frustration und einem geringen Selbstwertgefühl leiden. Manche werden im Spiel ausgegrenzt oder trauen sich nicht, mit anderen Kindern zu spielen. Manchmal bevorzugen sie jüngere Spielpartner oder Erwachsene, weil sie dabei ihre Schwierigkeiten besser kontrollieren können und sich vor allem jüngeren Kindern gegenüber überlegener fühlen.

Für Kinder mit einer klaren Diagnose:

Beispielsweise: Autismus-Spektrum, AD(H)S, umschriebene Entwicklungsstörung motorischer Funktionen (UEMF), Syndrome, Gendefekte, Frühgeburt.

Wie wir arbeiten:

Je jünger die Kinder, desto spielerischer gestalten wir die Therapie. Das Kindergartenalter ist besonders wertvoll, weil das Entwicklungsfenster gerade in dieser Phase sehr offen ist. Die Stifthaltung beispielsweise lässt sich teils schwer korrigieren, wenn ein Kind bereits in der ersten Klasse ist und Bewegungsmuster sehr eingefahren sind. Hierbei braucht es besonders die Motivation des Kindes um sich auf eine Veränderung einzulassen - dies ist meine persönliche Erfahrung. Je früher man einen Verdacht hegt, desto besser ist es, aktiv zu werden.

Elternberatung und -coaching als auch Umfeldberatung sind ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der Therapie, besonders für Themen, die den Alltag zuhause betreffen. Denn manchmal liegt die Lösung gar nicht im Kind allein, sondern darin, wie wir seinen Alltag gestalten und wie wir als Bezugspersonen agieren. Sei es im erzieherischen Verhalten, in unserer Haltung oder einfach auch im Wissen um die Problematik. Meist benötigt es die eine oder andere Veränderung und Anpassung im Alltagsgeschehen zusätzlich.

Weg zur Ergotherapie:

Der Weg zur Ergotherapie gestaltet sich darin, dass wir einen Überweisungsschein vom Hausarzt/Kinderarzt benötigen mit einer Verdachtsdiagnose. Wenn der Kinderarzt sagt "das wächst sich raus" oder Verwandte, dann ist das meist nicht ganz so richtig. Wenn du selbst die Intuition hast, das was nicht so ganz stimmt und die Problematiken sehr lange bestehen und trotz aller Übung zuhause nicht besser werden, das Kind und/oder das Umfeld leiden, dann besteht Handlungsbedarf!

Ein wichtiger Hinweis noch am Ende:

Nicht jedes Kind, das mal stolpert braucht Ergotherapie. Aber wenn sich Schwierigkeiten über längere Zeit zeigen und der Alltag Zuhause/Kindergarten wirklich zur Belastung wird – dann macht Ergotherapie Sinn. Was aber auch nicht heißt, dass wir “reparieren” oder weg therapieren. Manchmal ist es so, dass wir dem Kind und dem Umfeld Strategien im Umgang mit der Problematik mitgeben und unterstützen, den eigenen Blickwinkel zu verändern und Bewusstsein schaffen.

Wir möchten befähigen und Werkzeuge mitgeben, damit das Kind sich entfalten kann in ihrer bestmöglichen Selbstständigkeit. Auch in der Ergotherapie ziehen wir nicht am Gras, damit es schneller wächst – aber wir können dafür sorgen, dass es gegossen, gehegt und gepflegt wird, damit der Rasen gedeiht. Genauso kannst du dir die Entwicklung eines Kindes vorstellen. Manche Kinder haben eine Entwicklungsverzögerung und brauchen gezielte Impulse, damit der nächste Schritt gelingen kann.

Wann macht Ergotherapie keinen Sinn:

Ergotherapie macht nur dann Sinn, wenn alle an einem Strang ziehen. Das bedeutet: Das direkte Umfeld – allen voran beide Elternteile – aber auch das erweiterte Umfeld wie Kindergarten oder Verwandte müssen zum Wohl des Kindes in dieselbe Richtung blicken, damit wir Schritt für Schritt den Weg gehen können. Nur so ist nachhaltige Veränderung möglich. Wenn jemand nicht bereit ist, sich einzulassen, oder in der Veränderung keinen Sinn sieht, ist jede Art von Therapie erheblich erschwert – und kaum möglich, auch wenn wir uns das als außenstehende Person so sehr wünschen!

Ich hoffe ich konnte dir einen kleinen Einblick in die Kinderergotherapie geben!

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