Raus aus dem Kopf & rein in den Körper – Wenn die Gedanken Karussell fahren

So oft heißt es, das Kind benötigt Ergotherapie, weil es sich selbst nicht spürt oder psychiatrische Klienten die ihren Körper nicht wahrnehmen…doch auch ganz viele gesunde Menschen passiert dies, wenn sie zu sehr im Kopf sind – dass sie dann ihren Körper nicht mehr gut spüren.

Auch ich kenne das von mir immer wieder mal… und da ist das Hilfreichste, dass man wieder einen Körperbezug zu sich herstellt, damit der Kopf still werden kann. Im Grunde würde es oft schon ausreichen, 3 mal tief zu atmen, damit es im Inneren still wird. Doch es gibt auch ein paar andere Ideen, wie du deinen Körper spürst, wenn es gedanklich gerade sehr laut ist! Du bekommst einige Tipps, was du machen kannst, wenn dein Kopf raucht und du nicht mehr weißt, wo dir der Kopf steht!

Raus aus dem Kopf gelingt dann, wenn du deine Sinnesorgane wieder schärfst und ins Fühlen und Wahrnehmen kommst – sprich in den Körper!

1.Zuerst einmal ist es hilfreich, sich bewusst zu machen: „Ah… ich bin gerade sehr im Kopf“

  • Wie äußert sich das? Inneres Getrieben sein? Meist sind Stress, Sorgen und Ängste dann vermehrt vertreten. Und es kommen so Gedanken wie: Ich werde niemanden gerecht und ich muss die Kontrolle behalten. Auch Zukunftsängste, wie grübeln, können entstehen.

2. Im zweiten Schritt: annehmen der Situation, dass es gerade so ist. Erst wenn du den Zustand für dich mal annimmst, kannst du ihn auch verändern

Frage dich, welche Möglichkeiten fallen mir ein? Was könnte ich tun, um in den Körper zu kommen?

Kraftvolle Achtsamkeitsübung:

Achtsam im jetzigen Moment zu sein bedeutet, dass dort wo meine Gedanken hingehen, auch mein Körper folgt. Ich bin in dem Moment wo ich eine Handlung mache, mit meinen Gedanken voll und ganz dabei. Ich denke weder in die Zukunft, noch in die Vergangenheit. Weil wenn ich zum Beispiel unachtsam abwasche und mit dem Gedanken  abschweife, z.B. kommt der Gedanke, „ich habe Durst, ich will was trinken“, wandern meine Gedanken dort hin und mein Körper folgt. Ich trinke  und unterbreche den Abwasch. Es sei denn, ich bin mir dessen bewusst. Ich gehe mit meiner Aufmerksamkeit nicht weiter diesem Gedanken nach, sondern kümmere mich wieder um den Abwasch.

Viel zu oft sind wir so im Kopf, dass wir Dinge nebenbei machen und nicht mit allen Sinnen spüren. Wir sind gedanklich immer beim nächsten Schritt…. und der Körper folgt. Was dazu führt, dass wir gedanklich hin und her springen, uns passieren Fehler, uns fällt was runter, sind ungeschickt… vielleicht kennst du das. Die folgende Übung kann dir helfen:

Leg dich ins Bett oder auf die Couch und schalte deine Sinnesorgane an: mache eine tiefe Bauchatmung und gehe alle Sinnesorgane durch:

Du kannst dich zuerst aufs Hören fokussieren (mit geschlossenen Augen): Hören: Was kannst du alles hören? Das Auto, Ticken der Uhr, vielleicht läuft die Waschmaschine, Vogel zwitschern, den Wind etc. Zähle alles laut auf, was du hören kannst.

Wenn du glaubst, schon alles gehört zu haben, frage dich nochmal: Was höre ich noch? So lange, bis du wirklich von der Achtsamkeit her ganz bei dir bist.

Sehen: Was kannst du alles sehen? Zähle alles auf, was du siehst in dem Raum wo du dich gerade befindest, sehen kannst.

Riechen: Was kannst du riechen? Riechst du überhaupt etwas?

Fühlen: Welche Körperstellen berühren die Unterlagen? Wo befinden sich die Fersen? Wo liegen sie auf? Der Hintern: Wo berührt er die Fläche? Ist es weich oder hart? Gehe alles durch, wo dein Körper die Unterlage berührt und spricht gedanklich mit wie es sich anfühlt.

Das Gehirn muss angeregt werden, einen anderen Sinneskanal zu nützen um mit dem ganzen Gedankenchaos aufzuhören.

Weitere Möglichkeiten um die Wahrnehmung in den Körper zu bringen:

  • Yoga
  • Spaziergang – NATUR!!!
  • Jede sportliche Aktivität wo man sich gut spürt
  • Kalt-warm abduschen
  • Atmen
  • Schreiben: Alles aufschreiben was in mir gerade herumschwirrt
  • Mich fragen, ob ich irgendwelche unerledigten Dinge aufschiebe, irgendwelche Termine, Vorhaben nicht notiert habe??
  • Alles Aufschreiben, Terminkalender nützen, Listen schreiben
  • Affirmationen aufschreiben: Ich bin geleitet und geführt, ich schaffe alles, ich kann mich entspannen, alles ist und wird gut, das Universum kennt den weg, ich bin in Frieden etc.
  • Etwas mit den Händen tun: backen, Teig kneten, werken, basteln, malen
  • Bezug zur Körperwahrnehmung: bewusst in den Spiegel schauen, mich pflegen, eincremen, schön herrichten – Lächle dich bewusst an und blicke dir in die Augen. Frisiere dich, schminke dich, wasch dir das Gesicht etc.
  • Lieblingsmusik an und tanze durch die Wohnung. Schüttle dich und schalte deinen Wohlfühlsong an!

Schaffe wieder einen Bezug zu deiner Umwelt

In der ergotherapeutischen Behandlung spielt auch der Einfluss der Umwelt auf das Handeln eine große Rolle. Es kann sein, dass räumliche Bedingungen hemmen oder uns unterstützen. Wenn wir beispielsweise etwas verändern, damit wir ergonomischer oder strukturierter handeln können. In diesem Fall kann es hilfreich sein, die Umwelt zu nützen, um im gegenwärtigen Moment zu sein.

  • Wohnung aufräumen, es dir gemütlich machen. Schaffe wieder einen Bezug zu deiner Umwelt, wo du dich wohl fühlst und du dich wieder „angekommen“ fühlst. Wenn wir zu viel im Kopf sind, dann fehlt uns oft der Bezug zur Umwelt. Wir sehen Dinge nicht, weil wir nur grübeln. Nütze das Handeln in Bezug auf deine Umwelt. Mache alltägliche Handlungen in der Küche, Wohnzimmer usw. Schaffe dir eine äußerliche Struktur, wenn es zum Beispiel chaotisch ist. Frage dich, was dich unterstützen könnte, um dich in deiner Umgebung im Hier und Jetzt wohlzufühlen. Je mehr äußeres Chaos, desto mehr inneres Chaos….
  • Setze dich auf die Couch, lasse deinen Blick schweifen und zähle einfach auf, was du siehst. Alles runde… alle Gegenstände die weiß sind… alles aufzählen was dreieckig ist.. etc.

Was du vermeiden solltest:

  • Lesen, Socialmedia und dir irgendwelche neuen Inhalte aneignen. Das führt oft dazu, dass man noch mehr im Kopf ist. Also, ran an eine konkrete Tätigkeit mit deinen Händen, oder mit deinem Körper, damit du dich wieder spürst.

 

Du denkst dir jetzt vielleicht, na super. Nicht viel Neues dabei… Im Grunde hast du womöglich das schon 100 mal gehört oder gelesen oder hast sogar selber eine Idee was du machen kannst.

Zwischen lesen und Informationen aufnehmen und umsetzen, ist ein großer Unterschied. Wir nehmen tagtäglich so viele Informationen auf, dass wir schon alleine deswegen nicht mehr wissen, wo uns der Kopf steht. Wenn du das jetzt liest, leg danach dein Handy, Laptop, PC, alle diese informationsüberflutenden Geräte weg, denn sie bringen dich noch mehr in den Kopf.

Hole dir einfach in Erinnerung was du alles machen kannst und übe dich darin, dass in deinem Alltag zu etablieren, wenn du merkst, du bist wieder sehr im Kopf. Du wirst sehen, je schneller du das merkst und dagegen steuerst, wirst du dich daran gewöhnen, sodass du das immer früher bemerkst, dass es gerade unrund läuft und du vielleicht gerade sehr viel nachdenkst.

Anfangs ist ein mühsamer Prozess, doch es wird leichter werden, garantiert!

Ich freue mich, wenn ich dich inspirieren konnte. Wenn du Fragen hast, schreibe mir gerne an praxis@ergo-life.at