Für wen ist Ergotherapie sinnvoll? Ein paar „Hard facts“…

Im folgenden Blogartikel schreibe ich darüber, WEM Ergotherapie helfen kann, wie das mit der Verordnung ist, WO Ergotherapeuten arbeiten… und interessante „Hard Facts“

Wann benötigst du oder Angehörige Ergotherapie?

Sei es weil du einfach überlastet bist und Stress hast, oder kognitiv, körperlich-sensorisch oder sozial-emotional aus betrachtet nicht oder eingeschränkt handeln kannst. 

Zur Ergotherapie kommen Menschen jeglichen Alters, von „0-99“ Jahre.

Wir befähigen und unterstützen (empowern) Klienten, dass sie Eigenverantwortung für ihre Gesundheit/werdung zu übernehmen. Es wird nicht rein „passiv therapiert“ wo man auf der Liege liegt und es sich gut gehen lässt, sondern wo man selber tätig wird. Dazu gehört auch, dass Zuhause geübt wird um das Gelernte im Alltag zu übertragen.

Prävention/Gesundheitsförderung

  • Was tun, wenn du grundsätzlich gesund bist? 

Hier betreffen ergotherapeutische Leistungen vor allem die Ergonomie, Rückenschule, gesunde Betätigungsbalance finden um z.B. Burnout vorzubeugen, Stress zu reduzieren. Hier müssen die Leistungen vollständig selber übernommen werden! Ergotherapeuten arbeiten vorwiegend beratend, in Workshops, in Projekten, machen Vorträge, arbeiten freiberuflich in Zusammenarbeit mit Unternehmen bezüglich Ergonomie… Dieses Berufsfeld erschließt sich immer mehr und entwickelt sich weiter. Ich arbeite zum Beispiel aktuell bei einem Start Up Projekt mit. Hier begleite ich Frauen als Mentorin online in Gruppentrainings, die ihre mentale Gesundheit stärken wollen.

 In welchen Bereichen wir arbeiten…

Ergotherapie ist in verschiedenen Bereichen tätig:

  • In der Psychiatrie/Forensik/Justizanstalt: Depression, Abhängigkeiten, Burnout, Schizophrenie, Borderline, etc. sind typische Erkrankungen mit denen Menschen in die Therapie kommen – hier wird vorwiegend in Form von Kunst- und Handwerksgruppen, aber auch in Form von anderen Gruppentrainings, Alltagstraining, kognitiven Trainings, Achtsamkeitsgruppen, Genusstraining, Skillstraining, Einzeltraining, Jobcoaching/Wiedereingliederung gearbeitet. Oder je nach dem wo die Therapeutin Fortbildungen hat.
  • In der Geriatrie (ältere Menschen): alle Erkrankungen bei Menschen im (hoch) betagten Alter welche Einschränkungen im Alltagsleben haben.
  • In der Pädiatrie (Kinder): Probleme mit der Grafomotorik, der Stifthaltung, Konzentration, Entwicklungsstörungen, AD(H)S, Regulationsstörungen, Feinmotorikstörung, Schwierigkeiten mit dem Sozialverhalten, dem Selbstwert, Wahrnehmungsprobleme, Probleme mit Frustration, psychosomatische Auffälligkeiten, Autismus, Cerepral Parese, diverse Syndrome, Frühgeburten;
  • In der Orthopädie/Handtherapie: Arthrose, Arthritis, Hand- und Fingergelenksfrakturen, Sehnenverletzungen, M. Dupuyrten, Carpaltunnelsyndrom, Tennisellbogen etc.
  • In der Neurologie: Schlaganfall, Demenz, Multiple Sklerose, Parkinson, Schädelhirntrauma, ALS,  etc.

Wenn du jetzt denkst, puh das ist ganz schön viel… Ja, wobei viele Therapeuten spezialisiert sind. Der Grundgedanke der Ergotherapie, das Tätig sein, findet sich in allen Bereichen auf seine Art und Weise wieder!

Nun zu den Symptomen…

Indikation für Ergotherapie: ein paar typische Probleme als Beispiele:

  • Kribbeln in den Fingern, Schmerzen (z.B.: Reizsymptome bei Karpaltunnelsyndrom)
  • die Narbe zieht, heilt nicht gut etc.
  • Dinge fallen aus der Hand
  • Schlüssel ins Schlüsselloch drehen ist nich möglich
  • die Lehrerin sagt, das Kind ist so langsam in der Schule, tut sich schwer mit dem schreiben etc., dein Kind stoßt oft wo an, „spürt“ sich zu wenig, ist „tollpatschig“
  • das Kind hat eine unleserliche Schrift, ist langsam
  • Antriebslosigkeit, Freudlosigkeit
  • die tägliche Hausübung ist eine Qual, weil das Kind so lange braucht, viel trödelt und abgelenkt ist
  • das Kind ist ein Träumer oder ständig hibbelig und unruhig
  • Du kannst nach einem Schlaganfall nicht mehr gut greifen, Angehörige von dir sind vielleicht sogar bettlägrig seit dem Schlaganfall und haben Spastizität (erhöhte Muskelspannung/Verkrampfung) in den Armen/Händen entwickelt
  • Aufgrund der Arthrose hast du beim Kochen Schwierigkeiten Dosen und Behälter zu öffnen etc.
  • nach einer Fraktur kannst du das Handgelenk nicht mehr gut bewegen, wenig Kraft
  • Knöpfe auf- und zumachen und das Manipulieren von kleinen Gegenständen ist nicht möglich
  • nach einer Erkrankung kannst du auf einmal Dinge nicht mehr aus dem Schrank räumen und bist viel auf Hilfe im Alltag angewiesen
  • dir fehlt im Alltag die Struktur und du hast wenig Plan und weißt nicht, wie du Schritt für Schritt eine Handlung durchführst – womöglich wegen einer Depression, oder einem Schädelhirntrauma…
  • Uvm. Die Liste würde noch länger 😉 gehn…

Was tun, wenn du oder Angehörige Ergotherapie benötigen…

Brauche ich einen Verordnungsschein?

JA! Die Krankenkasse refundiert bei Wahltherapeuten übrigens ca. 50-60 %. Dazu benötigt es einen Verordnungsschein vom Hausarzt oder Facharzt mit einer Diagnose. Ab dem zweiten Termin benötigt es bei Wahltherapeuten eine chefärztliche Bewilligung! Wenn keine Diagnosestellung möglich ist, wäre Ergotherapie lediglich eine Präventionsform bzw. oder man erhält einfach keine Rückerstattung von der Krankenkasse. Grundsätzlich muss immer eine Auswirkung im Alltag bestehen. 

Ein paar „Hard Facts“ zur Geschichte und wie das mit der Ausbildung ist

Ich weiß nicht genau wie lange es den Beruf gibt, aber die Anfänge reichen bis ins Anfang 20. Jahrhundert zurück, wo Ergotherapie in Form von Arbeits- und Beschäftigungstherapie angeboten wurde. Der Beruf hat sich dann nach und nach weiterentwickelt bis schließlich Ergotherapie, wie wir den Beruf heute kennen, entstand. Im englisch sprachigen Raum heißt Ergotherapie Occupational Therapy = Betätigungstherapie.

Seit einigen Jahren ist Ergotherapie in Österreich  ein 3- jähriges Bachelorstudium und zählt zu den medizinisch-technischen Diensten (MTD Berufe). Zu den MTD Berufen zählen weiters: Logopädie, Biomedizinische Analytik, Radiologietechnologie, Physiotherapie, Orthoptik und Diätologie. Ergotherapie ist eine wissenschaftlich anerkannte Gesundheitsdisziplin, welche den Menschen  aus der handlungsorientierten Sicht ganzheitlich betrachtet. Die Therapie wird daher von den Krankenkassen anerkannt. Es gibt Kassentherapeuten, als auch Wahltherapeuten.

Studientstandorte in Österreich sind: Fh Gesundheitsberufe Oö, weitere Standorte an der Fh in Innsbruck, Klagenfurt, Salzburg, Krems, Wiener Neustadt, Bad Gleichenberg, Wien.

Ps: Du hast Fragen? Ergotherapie kann oft die Lösung sein, aber natürlich NICHT für alles und jeden. Wenn du denkst, du oder Angehörige benötigen meine Hilfe, dann schreibe mir liebend gerne an praxis@ergo-life.at

Manchmal benötigt es auch nur ein paar wenige Termine wenn die Problematiken nicht groß sind.

Alles Liebe für dich & schönes Handeln im Alltag, Christina