Ergotherapie – Was ist das?

Ergotherapie ist ein Beruf, der immer mehr an Bedeutung gewinnt und auch bekannter wird. Zurecht, denn zu lange wurde das Potential, das in dem Beruf steckt übersehen. Für mich ist dieser Beruf einfach schön und erfüllend. Daher habe ich es zu meiner Mission gemacht, die Möglichkeiten dieser Therapieform den Menschen näher zu bringen. Damit maximal von einer Therapieform profitiert werden kann, die vielleicht noch gar nicht bekannt war, leiste ich mit einem Blog auf www.ergo-life.at/blog/  einen Beitrag dazu.

Als ich vor einigen Jahren in den USA war und auf die Frage nach meinem Beruf damit beantwortete, dass ich Occupational Therapist (Ergotherapeutin) sei, erweckte ich plötzlich reges Interesse.  Und noch mehr überraschte es mich, dass in den USA ERGOTHERAPIE jeder kannte und es hochgeschätzt war. Und eine Ergotherapie-Kollegin machte die selbe Erfahrung in Chile. In Chile ist der Beruf hoch angesehen. Sie wollten ihr fast die Füße küssen vor Hochachtung (nein, Spaß beiseite… 😉 ). Aber Ergotherapeuten genießen dort wohl sehr viel Anerkennung wie sie mir sagte.

Es wird Zeit, dass das in Österreich auch passiert – nicht das mit dem „Füße küssen“, aber dass Ergotherapie ein nicht wegzudenkender und allseits bekannter Beruf wird. Ich bleibe auf alle Fälle dran 😉 !

Ergotherapie ist sehr breit gefächert und hat eine ziemlich große Bandbreite, was ich sehr liebe.

Meine eigene „Definition“

Wir arbeiten ähnlich wie in der Funktion als „Coach“ oder „Trainer“ mit fundiertem THERAPEUTISCHEM Zugang. Wir unterstützen den Mensch nach einer Erkrankung, Verletzung oder Beeinträchtigung, ein für ihn wichtiges Ziel im Alltag – sei es Arbeit, Schule, Kindergarten, Freizeit, Erholung, Selbsterhaltung (Körperpflege, Haushaltstätigkeiten, Regeln persönlicher Angelegenheiten), auf Handlungsebene zu erreichen. Wir arbeiten direkt am Klienten – zum Beispiel an der Motorik, an der Muskulatur, an der Sensibilität, als auch in einer begleitenden Rolle in Form von aktiver Anregung, Beratung, Aufklärung und Hilfe zur Selbsthilfe uvm.

Das kann sein:

  • Jemand mit einer Fingerfraktur will wieder Klavierspielen.
  • Ein Kind, dass z.B. mit der Aufmerksamkeit Schwierigkeiten hat, möchte bei der Hausübung schneller sein
  • Jemand nach einem Schlaganfall möchte alleine vom Bett in den Rollstuhl
  • Ein depressiver Klient will wieder arbeiten und am Arbeitsmarkt teilnehmen.
  • etc.

In der Prävention wo Ergotherapeuten ebenfalls tätig sind bedeutet das:

  • Die gestresste Mutter, oder z.B. der Manager möchte eine gesunde Betätigungsbalance im Alltag.
  • Ein Klient möchte an einem gesunden und ergonomischen Arbeitsplatz arbeiten, da er Rückenschmerzen als auch psychische Belastungen vermeiden möchte. Es gibt Ergotherapeuten die in Unternehmen kommen und im Bereich Ergonomie am Arbeitsplatz arbeiten und Vorträge/Workshops zum Thema Stress und Betätigungsbalance halten.

Unter „therapeutisch“ kannst du dir vorstellen, dass der erkrankte Mensch empathisch,  wertschätzend, neutral und wertfrei, lösungsorientiert, individuell und „ursachenerforschend“ vom Therapeut geführt und begleitet wird. Wir holen ihn dort ab wo er steht und stärken die Ressourcen, sodass der Klient so selbstständig wie möglich wird bzw. der Gesundheitszustand erhalten wird.

TÄTIG SEIN als Ziel

Ergotherapie kommt aus dem Griechischen, abgeleitet von „ergein“, was so viel heißt wie: TÄTIG SEIN. Man könnte sagen, wir sind Betätigungstherapeuten – aber nicht in Form von Animateure 😉 . Ergotherapie ist ein medizinisch anerkannter Gesundheitsberuf, wo davon ausgegangen wird, das TÄTIG Sein eine heilende Wirkung hat und uns gesund hält.

Wenn du keine Auswirkungen im Alltag (Schule, Kindergarten, Arbeit, Freizeit) bemerkst, ist alles gut und du benötigst keine Hilfe. Zum Problem wird es nur dann, wenn du oder Angehörige aufgrund einer Erkrankung gewisse Tätigkeiten nicht oder nur mehr schwer durchführen kannst.

Das ZIEL in der Ergotherapie ist, dass der Mensch, eingebettet in seiner Umwelt handeln oder zumindest teilhaben kann. Um eine Handlung durchzuführen, benötigt es kognitive, körperliche & sensorische, sowie sozial-emotionale Fähigkeiten. Dabei helfe ich als Ergotherapeutin ganz individuell. 

Was ist, wenn jemand nicht mehr AKTIV sein kann?

Hierbei sprechen wir in der Ergotherapie von Teilhabe. Es werden Möglichkeiten und Situationen mit dem Umfeld geschaffen, sodass der Klient, obwohl er körperlich nicht mehr selber tätig sein kann, jedoch emotional oder geistig an einer Handlung teilnimmt. Das kann die Spielerunde im Altersheim sein, wo der Klient liegend im Pflegebett dabei ist. Durch die Teilhabe und das Spüren der Energie der anderen Mitspieler, kann das für ihn Gesundheit und Wohlbefinden erzeugen.

Multimodale Therapie: Umwelt & Umfeld als wichtiger Part

Ergotherapeuten arbeiten multimodal. Das heißt, der Klient steht im Fokus als Hauptklient. Sein Umfeld (Angehörige, Eltern von Kindern) sind Nebenklienten – weil wir diese aufklären, beraten und in die Therapie miteinbeziehen etc. Wenn sich Probleme des Kindes auf die Schule/KIGA erstrecken, beziehen wir auch Pädagogen in die Therapie in Form von Beratung und Aufklärung, mit ein. Eltern, 24 h Pflege, Lehrer, Kindergartenpädagogen, Betreuer zählen zum Umfeld.

Die Umwelt (physische, kulturelle, soziale Umwelt) wird in der Ergotherapie sehr stark berücksichtigt. Das heißt, es beeinflusst eine Tätigkeit des Menschen, je nach dem wie er wohnt, in welcher Kultur er sich befindet und wieviele Sozialkontakte er hat.

All das läuft bei uns als Therapeut im Hintergrund, wo wir uns dazu Gedanken machen und  dies in unsere Therapie einfließen lassen. Es kann sein, dass an der Umwelt etwas verändert werden muss: Zum Beispiel passt der Arbeitsplatz von der Höhe her nicht, es ist etwas zu niedrig, zu weit weg, zu laut, zu leise, zu viele Reize, oder ähnliches, welche den Klient in einer Handlung hemmen. Weitere Beispiele: Das Kind mit Schwierigkeiten in der Aufmerksamkeit sitzt in der Klasse mit Blick zum Fenster. Dadurch ist es ständig durch äußere Reize abgelenkt und kann dem Unterricht nicht folgen- es ist also in der Handlungsdurchführung eingeschränkt. Hierbei Veränderungen vorzunehmen, in dem wir einen sehr analytischen Blick haben, zählt zu unserer täglichen Arbeit.

Multimodal und lösungsorientiert

Wir arbeiten multimodal, weil die Ergotherapie davon ausgeht, dass sich alles beeinflusst: Körper-Geist-Seele, das Umfeld und auch die Umwelt den Mensch in seiner Handlung beeinflussen. Ein Beispiel um das abschließend zu verdeutlichen: Nach genauerer Befundung bemerken wir, dass ein Klient eine Handlung aus emotionalen Gründen nicht schafft oder schaffen möchte. Denn er genießt das Umsorgt werden von den Angehörigen. Würde er selber aktiver sein, fiele in gewisser Weise Zuwendung seines Umfeldes weg. Das Problem liegt also nicht immer auf der motorischen Ebene, sondern kann auch im Zusammenhang mit anderen Ursachen (Emotionen, Angehörige, physische Umwelt etc.) stehen.

Wie gehen wir vor?

In der Befundung finden wir durch standartisierte und unstandartisierte Assessments, Tests, Beobachtungen und Befragungen heraus, wo die Hauptrobleme und die Ressourcen liegen. Es benötigt bestimmte Fähigkeiten und Fertigkeiten um wieder eine Tätigkeit durchzuführen. Das bezieht sich auf die Körperebene, sensorische Ebene, sozial-emotionale Ebene und die kognitive Ebene.

  • Körperebene: Mobilität, Kraft, Muskelspannung etc. betreffend.
  • Sensorische Ebene:Sensibilität (kribbeln, Taubheitsgefühle, Reizüberempfindlichkeit Tiefensensibilität (Muskel- und Gelenkbewegung) etc. betreffend.
  • Sozial-emotionalen Ebene:  Selbstwert, Nein sagen, sich was zutrauen, sich spüren, dranbleiben und nicht aufgeben, Willensstärke, etc.
  • Kognitiven Ebene: wissen WIE eine Handlung geht, sich einen Plan machen, schrittweise vorgehen, Merkfähigkeit, Aufmerksamkeit, Gedächtnis etc.

Die Kognition erstreckt sich über die Intelligenz hinaus. Wenn das Kind oder der Erwachsene chaotisch, planlos, unstrukturiert vorgeht, impulsiv handelt ohne zu überlegen, schnell abgelenkt und wenig fokussiert ist, bei absolut normaler oder überdurchschnittlicher Intelligenz, besteht in der Ergotherapie oft Handlungsbedarf – weil das die Handlung beeinflusst und der Alltag zuhause, in der Arbeit oder Schule erschwert wird.

Sind wir Alltagsexperten?

Absolut, was aber nicht heißt, dass wir immer alles wissen, weil jeder der Experte für sich selbst ist. Wir regen an, dass der Klient mit unserer Hilfe Lösungen und Strategien findet. Unser Ziel ist, dass der Klient so selbstständig wie möglich wird. Ist jemand schwerst beeinträchtigt, geht es wie gesagt viel um Teilhabe! Wir bieten immer Hilfe zur Selbsthilfe – sei es beim Klient oder bei seinen Angehörigen.

Arbeiten wir nie funktionell – am Körper?

Doch… mehr dazu findest du unter Therapieform, hier: Welche Maßnahmen?

Nach hier könntest du aufhören zu lesen…. Da es aber noch weiter geht mit spannenden Details, schaue in diesen Artikel rein: Für wen ist Ergotherapie sinnvoll?  Wenn du wissen willst, ob Angehörige von dir Ergotherapie benötigen, dann ist das für dich interessant…

Ps: Du hast Fragen? Ergotherapie kann oft die Lösung sein, aber natürlich NICHT für alles und jeden. Wenn du denkst, du oder Angehörige benötigen meine Hilfe, dann schreibe mir liebend gerne an praxis@ergo-life.at

Alles Liebe für dich & schönes Handeln im Alltag, Christina