Braucht mein Kind Ergotherapie?

Oftmals sind sich Eltern unsicher ob Ergotherapie benötigt wird, vor allem dann, wenn keine klare Diagnose vorliegt.

Ich bin kein Fan davon, dass man jedem Kind sofort eine Therapie drüber stülpt, ich möchte aber auch nichts klein reden. Denn wenn die kindliche Entwicklung verzögert ist, können diese Rückstände durch geeignete Maßnahmen gefördert und unterstützt werden. Grundsätzlich gibt es bei Kinder Zeitfenster, wo sich bestimmte Dinge entwickeln wie krabbeln, gehen, Türme bauen, malen etc. Ist ein Bereich der Motorik, der Körperwahrnehmung, der emotionalen Entwicklung, etc. (stark) verzögert und dadurch gestört, setzt sich das fort und entwickelt sich in seltenen Fällen von selbst oder „wächst sich aus“.

Hier ein guter Vergleich von einer Kollegin… Man kann am Gras nicht ziehen, damit es schneller wächst (ist auch nicht Ziel der Ergotherapie), aber man kann regelmäßig gießen oder für Sonne und Wärme sorgen, damit alles gut gedeiht und Entwicklungsschritte „angefacht“ werden und schauen, wo die Ursachen für die Probleme sind.

Bei einer Unsicherheit ob Ergotherapie notwendig ist, ist ein erster telefonischer Kontakt und/oder ein Abklärungstermin bei einer Therapeutin ratsam.

Tatsächlich kann sich nach den ersten Befundeinheiten zeigen, dass auch gar keine Ergotherapie notwendig ist oder etwas anderes sinnvoller wäre (Logopädie, Physiotherapie, Erziehungsberatung, Psychologie, Legasthenietraining etc.).

Und manchmal stellt sich auch heraus, dass sehr wohl Ergotherapie hilfreich ist.

Die wichtigsten Fragen, die auf Ergotherapie hinweisen:
  • Ist der Alltag Zuhause, Schule oder Kindergarten beeinträchtigt?
  • Gibt es in einem oder mehreren Lebensbereichen Schwierigkeiten in alltäglichen Handlungen wie: Freizeit (Hobbys, Interaktion mit anderen), Produktivität (Schule, Hausübung, Spiel – denn das Spiel ist die Arbeit des Kindes), Selbstversorgung (essen, waschen, anziehen, Schuhe binden etc.), Erholung (zur Ruhe kommen, sich alleine beschäftigen)?
  • Leidet das Kind (nicht zwingend 😉 ) oder das Umfeld wie Eltern, Geschwister, Pädagogen, andere Kinder?
  • Ist der Leidensdruck schon sehr groß?
  • Werden verschiedene Handlungen trotz Übung nicht besser?

Wenn diese Fragen mit Ja beantwortet werden können, ist ein erster telefonischer Kontakt und/oder ergotherapeutische Abklärung ratsam.

Typische Missverständnisse, wo Ergotherapie NICHT das Mittel der Wahl ist
  • Grundsätzlich sind Ergotherapeuten keine Lerntherapeuten, d.h klassische Legasthenietrainings werden nicht von Ergotherapeuten angeboten. Es sei denn, es hat jemand eine Zusatzausbildung!

Anmerkung: Was Ergotherapeuten aber sehr wohl in der Therapie je nach Ausmaß behandeln, sind die Vorläuferfähigkeiten die man zum Lesen/Schreiben benötigt, sowie eine Herangehensweise über die Körperwahrnehmung.

  • Ergotherapie ist nicht mit Nachhilfelehrer zu verwechseln 🙂 . Diese sind die Experten, was das betrifft. Ergotherapie zu machen, einfach weil das Kind schlechte Noten hat, ist nicht Ergotherapie. Hat das Kind aber schlechte Noten, weil es beispielsweise Schwierigkeiten in der visuellen Wahrnehmung, der Aufmerksamkeit, oder aufgrund von Schüchternheit sich nicht mitarbeiten traut und sich nichts zutraut etc., ist Ergotherapie eine mögliche Indikation.
  • Ergotherapie zu machen, nur weil das Kind keinen Einbeinstand kann, aber keinen Leidensdruck hat, oder sich das nicht im Alltag auswirkt, und sonst sehr geschickt und absolut gesund entwickelt ist, ist keine Ergotherapie notwendig. Es können nicht alle Kinder Spitzenathleten sein und müssen auch nicht 🙂 .

Falls du weitere Fragen hast, schreibe mir gerne an praxis@ergo-life.at