
19. September 2026
Allgemein · Alltag · Gesundheitsförderung
Wer fragt eigentlich die Kinder? Warum mehr Kinderbetreuung allein nicht reicht
Nach längerer Pause gibt es heute wieder mal einen Blogartikel von mir. Ich habe vor kurzem ein Gespräch von Frauen, Müttern, mitgehört, und darin fiel der eine Satz, der das ganze Problem der heutigen Kinderbetreuung lösen soll: „Es braucht mehr Kinderbetreuungsplätze.“ Wahrscheinlich am besten 24 Stunden, 7 Tage die Woche?
Ich weiß, dieses Thema ist ein ziemlich heißes Eisen, bei dem man sich bei vielen die Finger verbrennen kann, wenn man nicht ihrer Meinung ist. Aber wie bei allem gibt es einfach tausende Meinungen, Ideen und Lösungen. Das Thema ist höchst komplex, und in meinen Augen gibt es kein Schwarz oder Weiß. Und doch habe auch ich meine Wahrnehmung dazu, ohne den Anspruch darauf, dass ich jetzt die Lösung habe.
Inhaltsverzeichnis
Das Gespräch
Bei dem besagten Gespräch habe ich mitgehört, wie eine Frau, sie ist Psychotherapeutin, meinte: „Die Schweiz ist so fortschrittlich bezüglich Kinderbetreuung.“ Zuvor hatte die andere Frau, aus der Schweiz, erzählt, dass dort Kinder schon sehr früh abgegeben werden können. Sie erzählte auch, dass es bei ihr im Unternehmen sogar extra Räume gibt, in denen Milch abgepumpt wird. Beim Abholen des Kindes von der Krabbelstube steht sie dem Personal für den nächsten Tag wieder zur Verfügung.
Als ich das so gehört habe, dachte ich mir, dass ich die Schweiz deswegen alles andere als fortschrittlich bezeichnen würde. Wenn Eltern oder Mütter so früh zurück an den Arbeitsplatz müssen, ist das für mich kein Fortschritt. Fortschrittlich wäre die Schweiz, wenn sie echte Wahlfreiheit und verschiedene Möglichkeiten bieten würde. Wenn sie Müttern die Möglichkeit geben würde, keine Pensionslücke zu erhalten etc.
Ich frage mich, wo die Menschen sind, die wirkliche Lösungen finden wollen für die Diskrepanz bei Frauen und Eltern, die Beruf, Haushalt und Kindererziehung jonglieren. Mehr Kinderbetreuung löst in meinen Augen nicht die Ursache, in der sich mehrheitlich nun mal Mütter befinden. Denn wer denkt eigentlich an die Kinder? Auf ihrem Rücken wird das Ganze ausgetragen. Die können nicht Ja oder Nein sagen, oder sagen wir so: Sie machen es schon, aber sie werden selten gehört. Es sei denn, die Eltern sind feinfühlig und spüren, was das Kind braucht.
Und bevor jetzt jemand denkt, ich möchte hier einzelne Mütter kritisieren: Nein. Darum geht es mir überhaupt nicht. Ich weiß, dass viele Familien heute gar keine echte Wahl haben. Es gibt finanzielle Gründe und viele andere Situationen, die dazu führen, dass ein Kind früh in Betreuung kommt.
Ich hinterfrage deshalb nicht die einzelne Mutter, die ihr Kind in Betreuung gibt. Ich hinterfrage ein System, in dem finanzielle Sicherheit und Erwerbsarbeit oft so selbstverständlich im Mittelpunkt stehen und mehr Betreuungsplätze als die große Lösung präsentiert werden. Und ich frage mich, ob wir dabei manchmal zu wenig darauf schauen, was ein Kind eigentlich braucht und ob es für jedes Kind zu jedem Zeitpunkt wirklich das Richtige ist.
Nochmal vorweg: Ich sage nicht, dass ich eine Lösung für das Dilemma habe. Aber einfach zu sagen, mehr Kinderbetreuung sei die Lösung, ist in meinen Augen zu kurz gedacht. Die besagte Frau aus der Schweiz meinte, sie finde das alles so toll, weil dann auch die Frau Karriere machen kann. Im fast selben Atemzug erzählte sie, dass ihr Kind einige Zeit nach der Eingewöhnung in der Krabbelstube Ängste entwickelt hat, nämlich die Angst, dass die Eltern es vergessen. Ein Termin bei der Kinderpsychologin wurde ausgemacht. Die Schweiz ist also fortschrittlich. Ja, total.
Es ist gut, dass die Familie hingeschaut und sich Hilfe geholt hat. Von vielleicht unsicherer Bindung wurde zwischen den zweien am Tisch gesprochen, und die Mutter meinte, es werde sich noch zeigen, ob das Kind eine entwickelt hat. Da kann ich tatsächlich zustimmen: Vieles wird sich in der Entwicklung des Kindes erst im Lauf der Zeit zeigen. Ob die Ängste mit der Krabbelstube zusammenhängen, weiß niemand, und ich will das auch nicht behaupten.
Wobei jeder Reiz zu einer Reaktion führt. Die Frage, ob der frühe Start zu diesem Kind gepasst hat, kam im Gespräch kaum vor. Und genau das ist für mich eigentlich der viel wichtigere Punkt. Ich höre in den ganzen Diskussionen über Kinderbetreuung kaum eine Stimme für die Kinder und ihre unterschiedlichen Voraussetzungen.
Für mich ist das ein Anlass, genauer hinzuschauen. Denn ich weiß, dass es für eine gewisse Gruppe an Kindern schwierig sein kann, wenn sie so früh in Fremdbetreuung kommen. Kinder sind INDIVIDUELL!! Jedes Kind bringt andere Voraussetzungen, Bedürfnisse und ein anderes Temperament mit. Trotzdem soll das System der frühen Betreuung für alle Kinder gleichermaßen funktionieren.
Und genau da frage ich mich: Kann das wirklich für jedes Kind die passende Lösung sein?
Kinder sind individuell
Die Forschung dazu ist nicht eindeutig. Manche Studien zeigen positive Effekte früher Betreuung, vor allem für Kinder aus belasteten Familien. Andere fanden nach dem Ausbau der Betreuung mehr Verhaltensauffälligkeiten. Vieles hängt von der Qualität, dem Betreuungsschlüssel, der Gruppengröße und der Stundenzahl ab. Und eben vom Kind und davon, wie die Präsenz der Eltern nach der Betreuung ist.
Im Laufe meiner Erfahrung durfte ich schon vielfach beobachten, dass einige Kinder absolut zu früh weggegeben wurden. Und da bin ich wieder bei dem Thema „Auf dem Rücken der Kinder austragen“. Viele Kinder müssen mit 6 Monaten, einem Jahr oder unter 2 Jahren in Fremdbetreuung, ob sie wollen oder nicht.
Nicht jedes Kind ist für eine frühe Fremdbetreuung gemacht. Viele sind schüchtern, introvertiert, sehr sensibel uvm. Für diese ist eine frühe Fremdbetreuung nicht immer ein sicherer Entwicklungsort, auch wenn das Personal sein Bestes gibt.
Ich meine, verschließen wirklich so viele ihre Augen? Sehen sie nicht, dass etwas falsch läuft? Kinderpsycholog*innen und Therapeut*innen sind stark ausgelastet, weil Kinder Ängste, emotionale Schwierigkeiten und andere Störungen aufweisen. Eltern und Mütter sind massiv überlastet. Und dann sollen mehr Kinderbetreuungsplätze die Lösung des Übels sein?
Ich frage mich ernsthaft, wie es möglich sein soll, dass beide Elternteile Karriere machen, bei 40 Wochenstunden plus/minus, und gleichzeitig ein oder mehrere Kinder haben. Wer alles gleich gut hinbekommt, den möchte ich gerne mal kennenlernen. Wenn Multitasking schon nicht möglich, geschweige denn gesund ist, wie sollen Eltern, meist Mütter, beides unter einen Hut kriegen?
Mehr Betreuung allein bringt da nichts, denn sie ändert nichts daran, wer am Ende alles organisiert.
Sie zwingt lediglich Frauen noch mehr in die Bredouille, alles schaffen zu müssen, ob sie wollen oder nicht. Wir sehen es: Viele Mütter sind massiv überlastet, weil zum großen Teil trotzdem alles an ihnen hängt. Von Alleinerzieherinnen gar nicht zu sprechen. Die Doppelbelastung von Mütter ist dabei eigentlich schon fast ein eigenes Thema. Doppelbelastung ohne Ende. Natürlich ist mir bewusst, dass hier eine Fremdbetreuung aktuell nötig ist.
Alles zu seiner Zeit
In der heutigen Zeit meint man, wir könnten alles zu jeder Zeit mit gleichem Engagement und Fokus. Das ist übermenschlich und ohne Ausbrennen kaum möglich. Meist sind es dann die Kinder, an denen Abstriche gemacht werden, obwohl sie eigentlich die Zukunft sind.
Ich frage mich, wie wir den Satz „Alles zu seiner Zeit“ mehr in den Fokus rücken können. Denn wenn man beginnt, langfristig und im Größeren zu denken: Was sind dann 3 bis 4 Jahre, in denen man bezüglich Beruf einfach etwas zurücksteckt oder sich die Elternschaft anders einteilt?
Wo ist der Vater? Er ist zu 50 Prozent an der Entstehung des Kindes beteiligt. Wieso müssen dann meist Mütter die Lösungen finden?
Wir müssen noch bis 65 oder länger arbeiten. Was sind denn dann 3 bis 4 Jahre, bis das Kind in den Kindergarten kommt? Für manche ist auch 3 zu früh übrigens.
In meinen Augen gäbe es weitere Lösungen, wenn Gesellschaft und Politik das wirklich wollten.
Wann „benötigen“ Kinder andere Kinder?
Laut der Psychotherapeutin Stefanie Stahl ist ein Kind unter 3 Jahren nicht gruppenfähig, sprich überfordert in größeren Gruppen. Das ist ihre Position, und nicht die ganze Fachwelt sieht es so. Aber ich finde die Beobachtung dahinter sehr nachvollziehbar.
Das Argument vieler für eine frühe Fremdbetreuung ist ja, dass ein Kind andere Kinder zum Spielen benötigt, zum Lernen von Frustrationstoleranz, für die soziale Entwicklung uvm.
Ein Kind beginnt meist so zwischen 3 und 4 Jahren, gemeinsam mit anderen zu spielen. Unter 3 Jahren beobachten sich Kinder gerne und spielen nebenbei. Sie beäugen sich. Sie interessieren sich. Sie reißen dem anderen Kind das Spielzeug weg, beißen, zwicken, wollen oder können ihr Spielzeug nicht teilen, und es fehlt noch an der nötigen Empathie, sich in das andere Kind wirklich hineinzuversetzen. Natürlich gibt es immer wieder Unterschiede und auch ein Kind mit unter 3 kann sehr weit entwickelt sein was die Spielfähigkeit uvm. betrifft.
Gerade bei der Spielentwicklung darf man nicht vergessen, dass gemeinsames Spielen erst nach und nach entsteht. Natürlich soll dieser Entwicklungsschritt begleitet werden, und das Fachpersonal gibt sein Bestes, aber es wird einem Kind schon gehörig was abverlangt.
Ich finde, das mit dem Teilen ist wirklich ein gutes Beispiel, das ich oft erlebt habe, weil viele Erwachsene glauben, dass ein jedes Kind das von Geburt an quasi kann. Teilen ist eine Entwicklungsleistung, die ein Kind in den ersten Vorschuljahren lernt. Kleinkinder um 18 bis 24 Monate erleben „mein“ sehr stark. Sie können sich noch schwer in andere hineinversetzen, und auch die Empathie-Entwicklung braucht Zeit. Impulskontrolle und Selbstregulation entwickeln sich in den ersten Vorschuljahren mit Co-Regulation.
Viele gute Einrichtungen zwingen Kinder nicht zum Teilen, sondern begleiten den Konflikt. Doch auch ohne Zwang sind Konflikte um Spielzeug in einer Gruppe unvermeidlich, und das Kind muss sie täglich aushalten, obwohl es ihm entwicklungsbedingt noch nicht möglich ist, sie zu lösen.
Jetzt muss man sich das mal vorstellen, dass ein Kleinkind schon so viele tägliche Kämpfe ausfechten muss. Daher rührt auch das Argument von Stefanie Stahl der sogenannten fehlenden Gruppenfähigkeit bei Kleinkindern.
Studien zeigen, dass Kleinkinder in der Gruppenbetreuung im Tagesverlauf höhere Werte des Stresshormons Cortisol aufweisen als zu Hause, und zwar besonders Kinder unter drei Jahren. Ob das langfristige Folgen hat, ist nicht geklärt, und es hängt auch vom Kind ab.
Aber es zeigt für mich: Für die Kleinsten ist Gruppenbetreuung nicht „nichts“, sondern ARBEIT. Für manche Kinder ist das schlicht viel. Stress bei Kleinkindern in der Kinderbetreuung kann sich unterschiedlich zeigen, und ein Zusammenbruch nach der Betreuung kann für mich ein Zeichen dafür sein, dass es einem Kind einfach zu viel war.
Stell dir vor, du sitzt in deinem Büro und arbeitest an etwas Wichtigem. Ein fremder Mensch kommt, nimmt dir dein Handy aus der Hand und sagt: „Du bekommst es später wieder, wir teilen.“ Und das mehrmals täglich, jeden Tag.
Vermutlich wärst du nach ein paar Tagen ziemlich erschöpft und gereizt. Genau das verlangen wir von einem Kleinkind, das den Begriff „später“ noch gar nicht versteht.
Wenn ein Kind mit 3 oder 4 Jahren in Fremdbetreuung kommt, reicht die Zeit für diese Entwicklungsphase genauso noch gut aus. Ich glaube, dass manche Eltern das Argument „Das Kind braucht andere Kinder zum Entwickeln“ nutzen, um ihr schlechtes Gewissen bzw. ihre innere Zerrissenheit zu beruhigen, die sie oft quält, wenn sie ihr Kleinkind früh in Fremdbetreuung geben.
Das ist nur eine Mutmaßung von mir, aber schlechtes Gewissen quält ganz viele, habe ich zumindest in meiner Tätigkeit als Pädagogin und Therapeutin so erlebt.
Fremdbetreuung bei Kleinkindern: die Arbeitsstelle eines Kindes
Wenn ich höre, es benötigt mehr Kinderbetreuungsplätze oder dass die Zeiten, wo ein Kind längstens in Fremdbetreuung sein darf, erhöht werden, frage ich mich, wo hier eigentlich der Kinderschutz zum Tragen kommt?
Krabbelstube und Kindergarten sind nicht einfach Spiel und Spaß und bunte Farben. Es ist die tägliche Arbeit des Kindes, die im besten Fall Spaß macht und trotzdem kann es sehr reizüberflutend sein.
In der Früh aufstehen, sich fertig machen, in den Kindergarten gehen, 5 Tage die Woche: pure Routine. Das ist ARBEIT, das ist ein „Funktionieren“ und ein ständiges Anpassen an den Rhythmus des Erwachsenen.
Und es ist eine Arbeitsstelle, die sich das Kind nicht ausgesucht hat. Es hat keine Wahl bei den Kolleginnen und Kollegen, keinen Einfluss auf den Lärmpegel, kann nicht kündigen und nicht einfach mal einen Tag freinehmen, wenn es ihm zu viel wird.
Es muss sich in eine Gruppe einfügen, Regeln befolgen, warten, teilen und die eigenen Bedürfnisse immer wieder auch mal zurückstellen, oft 8 Stunden und mehr.
Ein Erwachsener kommt nach so einem Tag heim und braucht seinen Feierabend. Ein Kind kommt vom Kindergarten, soll gleich noch zum Turnen, zum Einkaufen und danach zu Abend essen.
Manche Kinder in der Krabbelstube und im Kindergarten sind länger dort als ein Erwachsener in der Arbeit. Manche Kleinkinder haben weniger Ferien und Erholung als Schulkinder.
Viele Erwachsene sehen das gar nicht so. Sie überlegen auch nicht, ob der Wutanfall beim Abholen vielleicht damit zu tun hat, dass es dem Kind einfach zu viel war.Ein Kind kann nicht sagen: „Ich hatte einen anstrengenden Tag.“ Es zeigt es durch sein Verhalten, und genau das wird oft überhört.
Hier kommt für mich die Feinfühligkeit zum Tragen.
Hier geht’s übrigens zu einem interessanten Blogartikel über Reizüberflutung in Kindergärten:
Mein erster veröffentlichter Artikel im Fachmagazin „klein&groß“: Reizüberflutung im Kindergarten
Feinfühligkeit
Ein Kind benötigt Verlässlichkeit, eine Bezugsperson oder mehrere wichtige liebevolle Menschen. Und für mich an oberster Stelle steht die Feinfühligkeit.
Feinfühlige Eltern und Bezugspersonen sind für jedes Kind ein unbezahlbares Geschenk. Feinfühligkeit, um zu bemerken, was das Kind wirklich braucht. Es ernst zu nehmen, wenn es auch nach der Eingewöhnungsphase immer noch weint. Und das Rückgrat, das Kind im Falle des Falles herauszunehmen, wenn eine frühe Fremdbetreuung nicht passt.
Es braucht lösungsorientiertes Denken, wie es dann aussehen kann.
Ja, für viele Kinder mag eine frühe Fremdbetreuung passen, sie spazieren in die Krabbelstube und fühlen sich dort wohl. Auch das habe ich erlebt. Und doch gibt es die eine Gruppe, für die jeder Tag überfordernd, unsicher und richtiggehend schrecklich ist. Diese eine Gruppe an Kindern, die muss, ob sie will oder nicht.
Wahlfreiheit statt Druck
Mir geht es nicht darum, Eltern ein schlechtes Gewissen zu machen. Viele haben gar keine Wahl: Alleinerziehende, aber auch manche Paare, bei denen ein Einkommen weniger wirklich nicht drin ist.
Ehrlicherweise muss man aber auch fragen: Wie oft ist es tatsächlich ein „Nicht-leisten-Können“, und wie oft eine Frage der Prioritäten? Haus, Pool, Autos, mehrere Urlaube im Jahr: Das ist in Österreich und Deutschland für viele zum Standard geworden, den man halten möchte.
Das ist legitim und sogar verständlich, denn zurückschrauben ist schwieriger als plötzlich mehr zu haben. Und doch ist es eine Entscheidung und kein Naturgesetz.
Und genau deshalb finde ich es wichtig, dass die Rahmenbedingungen echte Alternativen möglich machen. Frauen sollten die Freiheit haben, ihr Kind unter 3 bis 4 Jahren in Fremdbetreuung zu geben oder nicht, und das auch abhängig vom Temperament des Kindes entscheiden zu können.
Wahlfreiheit wäre für mich, wenn Frauen keine Pensionslücke hätten, wenn Teilzeitanstellung, die meistens Frauen und nicht Männer haben, keine Einbußen später in der Pension zur Folge hätte. Gerade das Thema Teilzeit und Pension bei Frauen darf meiner Meinung nach nicht einfach ausgeklammert werden.
Wenn wirkliche Gleichberechtigung vorherrschen würde, sodass nicht wieder die Frauen diejenigen sind, die draufzahlen durch weniger Pension und mehr Doppelbelastung durch Job, Haushalt und Kinder.
Da kommen wir zum nächsten Punkt der Finanzen:
Finanzielle Sicherheit für Frauen
Es sollte finanziell honoriert werden, auch hinsichtlich der Altersvorsorge, wenn Mütter und Eltern entscheiden, dass sie länger bei ihrem Kind zuhause sein möchten. Ich finde, es gäbe sehr wohl Möglichkeiten.
Und wo sind die Väter, die ihrer Frau nicht das Gefühl geben, von ihnen abhängig zu sein, wenn sie zuhause bleibt? Wo wird die Frau nicht zur Bittstellerin, wenn sie sich etwas kaufen möchte, weil das Geld ja „seines“ ist?
Wann werden Frauen endlich finanziell wertgeschätzt für die bisher unbezahlte Arbeit? Wer zuhause bleibt, leistet Arbeit, nur eben unbezahlte, und sollte nicht um Geld bitten müssen.Wie kann man da finanziell eine Lösung finden?
Ich habe letztens gehört, dass manche Paare das so machen: Das Einkommen des Mannes plus die Karenz der Frau wird zusammengerechnet und durch zwei geteilt. Beide haben dann gleich viel zur freien Verfügung, und keiner muss sich rechtfertigen. Ich finde das einen spannenden Ansatz.
Doch irgendwann hört die Karenz auf, und meistens arbeiten die Frauen dann Teilzeit und danach noch unbezahlt Vollzeit zuhause.Wie kann man das honorieren? Ausgleichen?
Und wo dürfen Frauen, wenn sie sich das gemeinsam ausmachen, auch zuhause bleiben, ohne dass sie dafür mit Abhängigkeit, schiefen Blicken von anderen und einer Pensionslücke für Frauen bezahlen?
Ich wünschte wirklich, dass wir mal über den Tellerrand blicken würden, als zu glauben, wir können die Symptome mit mehr Kinderbetreuungsplätzen lösen.
Mehr Betreuungsplätze ändern genau 0 Prozent an der Überlastung der Eltern, der drohenden Armutsgefährdung von Frauen und Alleinerzieherinnen, der massiven Doppelbelastung von Frauen und sie beantworten nicht die Frage, die mir am wichtigsten ist:
Wer fragt eigentlich die Kinder?








