Was tun, wenn der Morgen so mühsam ist und das Kind so viel trödelt?

Heute folgt ein kurzer Blogartikel zum Thema Morgen- und Abendroutinen. Ich schreibe darüber, wie Visualisierungshilfen in Form einer Checkliste Abhilfe schaffen sowie die Verwendung eines Timers für mehr Zeitgefühl des Kindes sorgen kann und wie eine Vorbereitung der Kleidung am Abend ebenfalls Stress am Morgen raus nimmt.

In die Ergotherapie kommen immer wieder Kinder, wo die Eltern mir berichten, dass der Morgen und/oder Abend so mühsam ist. Das Kind trödelt, kommt nicht aus dem Bett, Aufträge müssen mehrmals wiederholt werden und die Eltern berichten, dass sie das Kind förmlich „schieben“ müssen, damit es sich anzieht, die Morgentoilette erledigt uvm. Teilweise ist es auch so, dass die Mama oder der Papa alles übernehmen müssen, weil sie sonst nicht rechtzeitig in die Schule oder in den Kindergarten kommen würden. Wenn der Morgen so startet, ist das natürlich für alle Seiten sehr frustrierend.

Wichtig zu erwähnen, eine Routine bedeutet immer, dass die Abläufe möglichst gleich sind und sich vielleicht mal minimal ändern, aber grundsätzlich gleichbleibende Abläufe beinhaltet. Gibt es eine fixe Struktur, ist das alleine schon einfacher für das Kind und die Eltern, denn eine Routine bedeutet Sicherheit. Gerade für Kinder die in der Aufmerksamkeit, der Handlungsdurchführung, der Wahrnehmung etc. Schwierigkeiten haben, sind Routinen ohnehin erleichternd. Aber natürlich auch für andere Kinder 🙂 .

Wie funktioniert so eine Visualisierungshilfe?

Manche Kinder tun sich wirklich schwer, Handlungsschritte durchzuführen, ohne den Faden zu verlieren und sich nicht ablenken zu lassen. Ich habe daher begonnen, eine sogenannten individuelle Checkliste zu erstellen, als visuelle Hilfe, wo die einzelnen Handlungsschritte abgebildet sind. Dies ist bei jedem Kind und bei jeder Familie individuell. Die Eltern sagen mir dazu in max. 6 Schritten (natürlich auch weniger möglich) wie ihr Morgen denn so aussieht. Starten tut es überall gleich, nämlich mit dem Aufstehen. Was aber dann kommt, ist sehr unterschiedlich. In der Therapie wird darauf geachtet, dass wir da natürlich ganz individuell darauf eingehen. Diese Checkliste wird so angebracht, dass das Kind überall dazu gehen kann, wenn es den Schritt dann erledigt hat. Es verschiebt nach dem Durchführen des Handlungsschrittes die Perle von links nach rechts. Somit hat es den Überblick was als nächstes dran kommt. Außerdem wird die Selbstkontrolle und die Eigenständigkeit gefördert. Das Verschieben der Perle hat überdies einen hohen Aufforderungscharakter, damit es den Handlungsschritt alleine durchführt. Viele Eltern berichten mir, dass die Kinder das Verschieben der Perle lieben und es sogar insgesamt eigenständiger geworden sei (natürlich spielen da oft mehrere Faktoren eine Rolle, die man nicht immer genau weiß). Natürlich ist so eine Visualisierungshilfe kein Rezept für alle Kinder, aber ein Versuch ist es natürlich allemal wert ;-)!

Hier findest du zwei Blankokarten für die Morgenroutine in 5 oder 6 Schritten. Mit Bildern musst du sie selber befüllen und natürlich die Fertigstellung kann ich dir auch nicht abnehmen 😉 .  Bei jedem sieht der Morgen ja anders aus, daher gibt es da keine fixfertigen. Morgenroutine Blankokarten

Der Timer

Neben so einer Visualisierungshilfe können auch sogenannte Timer eine gute Hilfe sein, damit Kinder ein besseres Gefühl für Zeit bekommen, als auch mehr im „Tempo“ zu sein. Hierbei kann zum Beispiel eingestellt werden, wie viel das Kind noch Zeit zu spielen hat, bevor es dann wirklich fertig sein muss für die Schule/KIGA. Aus meiner Erfahrung her, lieben die Kinder den Timer, sie haben das Gefühl, dass sie mehr Kontrolle und Struktur haben (gerade für Kinder die sich schnell in ihrer eigenen Welt verlieren) eine gute Hilfe um diese Übergänge von einer Handlung in die nächste ohne Streit und Frustration zu schaffen.

Ich setze den Timer in der Therapie ständig ein, vor allem für Kinder die Schwierigkeiten in der Kooperation haben. Ich verwende diesen lautlosen Timer hier: Hier

Eine gute Vorbereitung am Abend für den nächsten Tag

Ein weiterer Tipp damit der Morgen besser gelingt ist, dass die Kleidung schon am Vorabend gut sortiert vorbereitet wird, damit nicht am Morgen noch diskutiert werden muss, was das Kind gerne anziehen möchte. Für jüngere Kinder kann auch eine sogenannte Anziehstraße (Kleidung wird in der Reihenfolge aufgelegt, wie sie angezogen wird) gelegt werden. Wenn das Kind in einem Punkt wirklich Schwierigkeiten hat sich anzuziehen, weil es den Knopf nicht schließen kann oder Ähnliches, dann kann mit dem Kind genau ausgemacht werden, wo geholfen wird: Nämlich nur da, wo es wirklich Schwierigkeiten hat. Bei der Vorbereitung am Abend sollte das Kind natürlich miteinbezogen werden!!

Viel Spaß beim Umsetzen der Ideen und bei etwaige Fragen, gerne eine Mail an praxis@ergo-life.at

Liebe Grüße, Christina