Hyperaktive Kinder aus der Sicht des Ayurveda

Hyperaktive Kinder aus der Sicht des Ayurveda

In Anlehnung an Leela Mata / Yoga Vidya / Ayurveda / Volker Mehl

Im folgenden Blogartikel schreibe ich über Hyperaktivität aus Sicht des Ayurveda. Mir ist wichtig zu erwähnen, dass bei Kinder die als sehr bewegungsfreudig gelten die Grenzen zwischen „Normalität“ und „Pathologie“ oft verschwimmen. Und durchaus vorschnell das Wort „Hyperaktivität“ gebraucht wird. Daher vorweg eine kurze Beschreibung der Symptome.

Hier ein paar Symptome:

Hyperaktivität äußert sich in einer deutlichen motorischen Unruhe, die dann auftaucht, wenn vom Kind relative Ruhe erwartet wird. Dazu zählen grobmotorische Bewegungen (Zappeln), als auch feinmotorische Bewegungen (Fummeln, klopfen).

  • anhaltend motorische Unruhe, exzessives Herumlaufen
  • Exzessive Zappeligkeit
  • gar nicht erst hinsetzen, sondern immer wieder aufstehen
  • das Kind ist sehr schwer an seinen Platz zurückzuholen
  • auf dem Stuhl hin und herrutschen
  • nesteln, fummeln (z.B. mit den Haaren spielen)
  • Nägel kauen
  • Grimassieren

Nichtsdestotrotz ist der folgende Artikel sicher auch für andere interessant 🙂 und die Tipps für „überdrehte“ Kinder hilfreich!

Neben dem Beruf der Ergotherapie, bin ich Yogatherapeutin und Kinderyogalehrerin. Yoga und Ayurveda sind sogenannte „Schwesternwissenschaften“ und ihre Verbindung reicht tausende Jahre zurück. Im Ayurveda wird davon ausgegangen, dass es drei grundlegende Energien in unserem Körper gibt. Bezeichnet werden diese als Bioenergien oder Konstitutionstypen. Dosha ist der ayurvedische Begriff dafür. Sie heißen „Vata“, Pitta“, „Kapha“. Wichtig zu verstehen, alle drei Doshas sind in unterschiedlicher Verteilung in jedem Menschen enthalten. Keines der Doshas ist besser oder schlechter. Ist ein Dosha im Überschuss vorhanden, kann das bestimmte Auswirkungen haben. Vata-Störungen haben meist ernsthaftere Folgen als die der beiden anderen Doshas.

Ohne jetzt jede zu beschreiben, möchte ich im folgenden Artikel auf den Vata Typ eingehen. Dem Vata-Dosha werden das Prinzip der Bewegung zugeschrieben, daher der Zusammenhang Hyperaktivität von Kindern. Am Ende folgen Tipps um Vata Überschuss bei Kindern auszugleichen.

VATA

  • trocken

Vata dominierte Menschen haben oft eine trockene Haut, trockene Lippen, trockene Schleimhäute, neigen zu Verstopfung (Trockenheit im Dickdarm), Schwäche und Sörungen des Nervensystems.

  • kalt

Vata dominierten Menschen ist es schnell kalt, sie haben oft eiskalte Hände und Füße und fühlen sich im Winter gar nicht wohl.

  • leicht

Vata dominierten Menschen fällt es leicht sich Dinge zu merken, leider vergessen sie diese auch wieder leicht. Es sind die Menschen mit dem guten Kurzzeitgedächtnis.

  • feinstofflich

das ätherische Element spiegelt sich in ihrem Interesse für Esoterik wieder.

  • beweglich/ antreibend

Vata dominierte Menschen bewegen sich sehr gerne. Sie sind oft ruhelos und rastlos. Sie können nur schwer stillhalten. Auch die Sprache ist schnell, oft sogar hektisch. Aus Sicht vom Ayurveda ist in sehr hyperaktiven Kindern viel bewegende Eigenschaft des Vata (Elemente Luft und Äther) außer Kontrolle und das drückt sich laut Leela Mata in überdurchschnittlich aggressiven Verhalten der Kinder aus, wenn sie zum Beispiel den Unterricht stören.

„Wir sagen, sie können nicht still sein, sie haben zu viel Energie! Aber was ist, wenn wir Ihnen helfen können, diese Energien auf konstruktive Weise zu kanalisieren, diese Energie in Kreativität zu transformieren?!“ Meint die Autorin weiters.

Weitere Eigenschaften von Vata:

  • Trocken
  • Rau
  • Kalt
  • Beweglich
  • klar und leicht
  • verantwortlich für die Atmung
  • den Herzschlag
  • die Zellteilung und die Sinneswahrnehmungen
  • außerdem steuert Vata Sprache, Begeisterung und Kreativität
  • Körperbau oft fein und zartgliedrig

Vielleicht kann man sich jetzt auch besser vorstellen, was passiert, wenn diese Eigenschaften im Überschuss sind und warum sich das in Form von Hyperaktivität bei Kindern äußern kann.

Ist Vata im Gleichgewicht, dann bewirkt es mentale und physische Ausgeglichenheit, Heiterkeit, Anpassungsfähigkeit, Verständnis, Freude, Klare Wahrnehmung und die Fähigkeit zu kommunizieren, Kreativität und gesunde Beziehungen einzugehen.

Wie können wir nun unseren Kindern helfen, diesen gesunden Zustand wieder zu erreichen?

Hier einige Punkte die laut der Autorin Leela Mata sehr wirkungsvoll sind:

  • warme Ölmassage. Nach einem warmen Bad sollte das Kind mit erwärmtem Sesamöl massiert werden. Dies sollte mit Liebe und Aufmerksamkeit geschehen, beim Klang ruhiger, friedlicher Musik. Vor dem Schlafengehen sollte warmes Mandelöl oder Bramhi (gotu-kola) Öl auf Kopf, Bauchnabel und die Fußsohlen gegeben werden. Eine sanfte Fußmassage wird entspannend und hilfreich sein. Diese Maßnahmen werden die „erratischen „Bewegungen des Vata beruhigen, sich setzen lassen und besänftigen. Außerdem wird das Nervensystem genährt und gestärkt.
  • Laut der Autorin: Ätherische Öle, wie Sandelholz, sind hilfreich um Ruhe und Frieden zu fördern. Basilikum, Myrre, Salbei, Weihrauch oder Minze reinigen die Energiekanäle und helfen, die Wahrnehmung zu verbessern. Laut meiner persönlichen Erfahrung ist Minze abends nicht so gut, da die Energie sehr in den Kopf geht! Ich würde empfehlen, wenn dich das interessiert, recherchiere hier weiter. Du findet sicher Empfehlungen für ätherische Öle die bei Kinder abends sehr erdend und beruhigend wirken! Räucherwerk von Rosen, Sandelholz und Jasmin kann benutzt werden, um die Aura und die Emotionen zu reinigen.
  • Farben können eine bedeutende Therapie für Hyperaktivität sein. Dunkle Farben, wie Schwarz, Grau und Braun sollten vermieden werden, da sie zu Depressivität neigen. Pastellfarben, wie Gelb und Orange sind am besten, da sie beruhigend auf das Nervensystem wirken und heilende Emotionen hervorrufen
  • Die Anwendung von Blumen kann auch bereichernd für die Seele sein und Zärtlichkeit, Liebe und Mitgefühl fördern.
  • Speisen sollten warm, saftig und nahrhaft sein. Kein Fast Food, abgestandenes oder in der Mikrowelle zubereitetes Essen – denn diese entbehren das Prana bzw. die Lebensenergie. Keine trockenen, rohen oder kalten Speisen – denn diese fördern Vata ähnliche Eigenschaften. Gewürze, wie frischer Ingwer, Zimt, Kardamom, Koriander, Kurkuma, Kreuzkümmel und Basilikum sind gut, denn sie helfen den Metabolismus zu regulieren und verbessern die Verdauung.
  • Achtsames Fernsehen! Keine gewalttätigen Filme oder Horrorfilme. Diese können die vitale Hülle des Körpers beschädigen
  • Computerspiele reduzieren (vor allem nicht vorm Schlafengehen)
  • Vata Kinder sollten in engem Kontakt mit der Erde sein. Die Erdenergie ist sehr unterstützend und erdet Vata Menschen.  Anmerkung von mir: Also raus in die Natur, matschen, gatschen, mit den Händen sich betätigen. Schwere Dinge schleppen oder Ziehen, Gartenarbeit etc. sind hier sehr erdend und helfen dem Kind sich zu spüren.
  • Beruhigende Töne sind sehr angenehm und entspannend. Laute Geräusche oder harte Musik stören das Nervensystem und fördern Aggression.
  • Die Umgebung soll ruhig und friedlich sein. Anmerkung von mir: Vor allem abends warmes oder indirektes Licht aufdrehen (grelles Licht reizt und fördert das Überdrehtsein noch mehr).
  • Warme Milch, mit ein wenig Muskatnuss, ist ein mildes Beruhigungsmittel und führt zu Entspannung und gutem Schlaf, wenn es zur Zeit der Nachtruhe genommen wird.
  • Es ist wichtig, die Kinder an eine gesunde Routine zu gewöhnen. “Early to bed and early to rise makes a man healthy, wealthy and wise” – früh ins Bett und früh wieder raus macht Dich gesund, reich und weise – ist nicht nur ein gutes Sprichwort sondern eine sehr wichtige Gewohnheit.
  • Yoga und Meditation: Wenn selbst auf spielerische Weise gelernt wird, wie man Körper, Geist und Atem beherrscht, können drastische Veränderungen in der Persönlichkeit bewirkt werden. Meditation kann dadurch ansprechend gemacht werden, dass man in der Natur spazieren geht, oder auf dem Boden liegt und die sich ändernden Formen der Wolken beobachtet.

Viel Freude beim Probieren, Christina

 

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