Handgesundheit für Kletterer

Letztens hatte ich mit einem Kletterer zu tun und mir ist richtig bewusst geworden, wie sehr die Hände bzw. die Gelenke von Kletterer beansprucht werden. Ringbandrupturen, Ringbandzerrung, Gelenkskapselverletzung, Ganglien und Sehnenscheidenentzündung zählen zu den häufigsten Problematiken bei Kletterer.

Aber generell habe ich gemerkt, wie geschunden Hände sein können, wenn sie überbeansprucht werden. Sei es von Kletterer oder weil jemand handwerklich tätig ist. Jeder kann für seine Handgesundheit zuhause etwas tun. Wir haben genau einen Körper für unser Leben zur Verfügung gestellt bekommen. Diesen wie einen Tempel zu pflegen können wir immer und überall machen, vor allem zuhause. Der folgende Artikel gibt dir zum Ende hin Inspirationen!

Ich gehe kurz auf die häufigsten Verletzungen ein und was Inhalte der Ergotherapie sind. Am Ende werden auch zwei Übungen beschrieben, sowie eine Buchempfehlung für die Handgesundheit angeführt.

Anmerkung: Der Blogartikel dient als Einblick! Handchirurgen sind hierbei die Experten was die detaillierte Beschreibungen der einzelnen Krankheitsbilder und die Diagnosestellung betrifft! Der Artikel dient fürs Bewusstmachen der eigenen Gesundheit.

Welche Erkrankungen/Verletzungen kommen am häufigsten vor?

Ringbandverletzungen/Schnappfinger:

Was sind Ringbänder und wozu dienen sie? Ringbändern fixieren die Beugesehnen (die Ausläufer der Muskeln die bis zu den Fingerspitzen reichen) am Knochen, wie in einem Tunnel. Durch Verletzungen oder Überlastung kann das Ringband anschwellen. Dadurch können sich Knoten an der Beugesehne bilden, wo dadurch die Sehne beim Beugen hängen bleibt. Es kann sich ein sogenannter Schnappfinger bilden und eine entzündliche Stelle entwickeln.

Durch die „aufgestellte Fingerposition“beim Klettern kommt es außerdem zu einer sehr hohen Krafteinwirkung auf die Ringbänder A2, 3 und A4. Die Folge ist oft eine Zerrung oder Ruptur. Als Symptome werden Schwellung, Druckschmerz, Hämatom und ein Hervortreten der Beugesehne beim Anspannen angegeben (Bowstring).

Zur Vorbeugung von Ringbandverletzung bzw. zur Stabilisation können Tapeanlagen an den Fingern, oder am Handgelenk angebracht werden. Für das Ringband ist das sogenannte H-Tape ein sehr häufig angewandtes Tape bei Kletterer!

Tendovaginitis (Sehnenscheidenentzündung):

Diese kann akut auftreten oder sich langsam entwickeln. Als Symptome werden angegeben: Schwellung, Druckschmerz auf Höhe A2 Ringband oder der Handwurzel – sehr häufig mit Ausstrahlung in den Unterarm. Meist zeigt sich eine Flüssigkeitsansammlung in den Sehnenscheiden (Halo-Phänomen). Es wird als konservative Therapiemaßnahme angegeben:

  • Ruhigstellung mittels Schiene
  • Eisanwendung
  • Ödemreduzierende Maßnahmen wie Bürstenmassage
  • Eventuell Schwefelbäder
  • Belastungsreduktion
  • Taping während der Sportausübung – zum Beispiel das H-Tape

Sehnenverletzungen

Es können Zerrungen und Teilrupturen auftreten, vor allen in der hängenden Fingerposition, wenn der Fuß beispielsweise plötzlich abrutscht. Es kommt zu Schmerzen entlang der Beugesehne und am Unterarm.

Eine frühfunktionelle Therapie wird hierbei empfohlen. MRT und Sonografie zur Diagnosestellung ist das Mittel der Wahl!

Ganglien

Es wird vermutet, dass Ganglien dann entstehen, wenn die Gelenkkapsel eine Schwachstelle hat und gleichzeitig ein Überdruck im Gelenkspalt entsteht, z.B.: durch viel Flüssigkeit. Die inneren Gelenkshäute können sich dann nach außen stülpen. Bei Kletterer entstehen diese beim Verkanten in kleinen Rissen und Löchern. Sehr häufig sind Ganglien bei Kletterer streckseitig am Fingerendglied zu finden.

Eine Behandlungsempfehlung aus der Ergotherapie könnten hier konservativ durch Ruhigstellung, leichtes Wegmassieren, detonisieren der Fingerbeuger – ödemreduzierende Maßnahmen sein.

Die Differenzialdiagnose bei Kletterern beinhaltet mehr als 20 Krankheitsbilder. Auch arthrotische Symptome wie Morgensteifigkeit an den Fingern, Einschränkung der Beweglichkeit und der Feinmotorik wird häufig angegeben.

Was tun in der Ergotherapie?

  • Frühfunktionelle Therapie mittels Kräftigung bzw. der Handgelenkstabilisation
  • Aufklärung und Prävention – Psychoedukation
  • Fingerübungen
  • Feinmotoriktraining
  • Inhand-Manipulation mit Qi-Gong Kugeln
  • Massageringe für die Ringbänder
  • Massagestab
  • warme Linsenbäder zur Lockerung
  • Paraffinbad
  • Schienen
  • Tapes
  • Lockerung der Faszien mittels Faszienrolle etc.

Kletterer sind sehr häufig betroffen für Handverletzungen, wo die Handgesundheit gut gefördert werden kann durch Eigeninitiative.

Zwei empfehlenswerte Übungen:

Linsenbad:

Besorge dir getrocknete Linsen und fülle sie in eine Schüssel, wo deine Hände gut Platz haben. Gerade für beanspruchte Finger, steife oder schmerzende Hände kann das sehr angenehm sein. Verwende dazu eiskalte oder heiße Linsen – wie es dir beliebt. Wenn du eiskalte Linsen möchtest, gib sie einen Tag vorher ins Eisfach. Oder erhitze sie im Backofen wenn du gerne heiße Linsen willst. Greife nun in die Schüssel, knete die Linsen, beuge und strecke deine Finger, lasse die Linsen durch deine Finger rieseln.

Beuge und strecke auch deine Handgelenke. Du kannst auch kleine Gegenstände, Bälle oder Kugeln verstecken und raussuchen. Nimm dir 5- 15 Minuten Zeit. Danach kannst du deine Hände mit einer Handcreme oder einem Öl deiner Wahl einmassieren. Arnika, welches entzündungshemmend ist wird gerne empfohlen.

Faszien ausstreichen/kämmen:

Faszien heißt übersetzt so viel wie Bindegewebe und finden sich überall im Körper. Es gibt Untersuchungen, wo herausgefunden worden ist, dass Faszien im Körper zusammenhängen. Sie sind ein feinmaschiges Geflecht, welches alle Muskeln, Knochen, Organe usw. umhüllt und durchdringt.

Besorge dir eine groben Zinkenkamm und eine Peeling/Nagelbürste. Streiche/kreise nun von der Handfläche Richtung Unterarm, Achsel. Anschließend über die Schulter über Armrücken zum Handrücken und Finger. Das Kämmen und Bürsten regt deine Durchblutung an und fördert den venösen und lymphatischen Fluss. Dadurch lösen sich leichte Verklebungen im myofaszialen Gewebe.

Eine ehemalige Arbeitskollegin hat mir das tolle Buch „Das Handheilbuch“ empfohlen. Ich finde das wirklich hilfreich, weil es sehr viele Übungen und Ideen enthält. Die eigene Achtsamkeit und das Bewusstsein für den eigenen Körper, insbesondere für die Hand wird geschult. Kräftigungs- und Lockerungsübungen, Faszienbehandlung uvm. sind Inhalte. Es werden verschiedene Krankheiten angeführt und auch ganzheitliche Tipps gegeben. Ebenso das Linsenbad und die Faszienübung sind darin enthalten.

  • Das Handheilbuch: HIER
  • Mehr über Faszien: HIER
  • Quellenangabe aus: Germanjournalsportsmedicine – Handverletzung bei Kletter  HIER